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Brev fra H.C. Andersen til Mary Howitt 28. september 1846

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Dato: 28. september 1846
Fra: H.C. Andersen   Til: Mary Howitt
Sprog: tysk.

[Kladde: se Brev]

Oldenburg, 28 September 1846.

Liebe, gnädige Frau!

mit wahrer Sehnsucht habe ich einen Brief von Ihnen erwartet, aber keiner kam und ich glaubte dann, daß mein letzter Brief, so wie das Buch vorher, verloren gegangen war; endlich, vor ein Paar Tagen, auf die Rückreise nach Dänemark, empfang ich in Leipzig Ihren liebevollen Brief, der war nach Weimar gegangen und von dort ab mir zugeschicht. Meinen innigsten Dank für all die Freundlichkeit, all das Interesse für mich, welche durch jede Zeile ausspricht. Wie viel Freude und Sonnenschein kann man doch in ein Papier hineinlegen! Leider komme ich diesmal nicht nach London, ich bin durch die grässliche Sommerhitze im Süden zu nerveus und leidend geworden um ein Besuch in London recht zu geniessen; ich gehe direct nach Copenhagen. Gleich beim Anfang Ihres Briefes ging ich in eine Buchhandlung und nahm da die deutsche Üeberzetzung des »Bazars«, ein Buch das Sie nicht erwähnt habe und welches, wie ich glaube, noch nicht in England bekannt ist; ich hatte eben bei der Componist Mendelsohn-Bartholdy Bekanntschaft gemacht mit die Klavierspielerin Frau von Dulcken, welche gewöhnlich lebt in London und bald aus DeutschIand kehrt wieder zurück; der Bazar habe ich die Frau von Dukken übergeben für Sie, aber ich muss meine Entschuldigung machen, dass das Buch kommt unangezogen, aber dazu war keine Zeit, da ich eben von Leipzig abreisen wollte. Ich bin jetzt ein Jahr vom Hause. Die Reise bis Neapel war schön, ein Märchen voll von Sonnenschein. Die Menchen sind mir so gut gewesen, Anerkennung, Ruhm und Freude folgten mir, aber von Neapel bis Schweitz war alles Qual und Leiden, doch allein nur der Sonne wegen; ich habe gelitten wie ein Tantalus, die Sonne saugte mir Mark und Kraft aus den Gliedern. Eine garstigerer Vampyr als des Sydens Sommersonne kenne ich nicht. Oktober vorigen Jahres ging ich von Copenhagen, verweilte einige Tage auf das schöne »Gravenstein« in Schleswig beim Herzog v. Augustenborg, sass ganz heimisch zu Hause in eine befreundete Familie in Oldenburg. In Berlin verweilte ich beinah eine Monath; der König war mir ausserordentlich gnadig; ich war ein Paar Mal eingeladen; auch die Märchen las ich ihm vor in Potzdam, es war ein kleiner Kreis, der König, die Königin und Humboldt. Milde Augen blickten mir an, und dann fühle ich mich immer zu Hause. Der König ist ein höchst interessanter, geistreicher Herr, ich habe ihm persöhnlich sehr lieb gewonnen. Bei die Brüdern Grimm, bei Rauch, bei Bettina, »Savigny« - ja, in allen Strassen sprangen die Thüren auf und ich trat nicht herein wie ein Fremder; ich bin ein Glückskind, ich fühle es! - Am längsten verweilte ich doch im lieben Weimar. Der Erbgrossherzog ist mir so innig und gut, er ist edler Mensch, voll des besten Strebens, ich liebe ihm auch, so wie ein Herz lieben kann. Mehrere Freunde habe ich in diese alte Dichterstadt; mit Heimwehe denke ich immer an Weimar! Auch am Hofe in Dresden so wie in Wien war ich ausserordentlich gnadig empfangen, in alle Städte fand ich bei Künstlern und Gelehrten einen herzlichen Empfang. Deutschland ist mir wie ein zweite Heimath, ich liebe das schöne Land und das Gemüth in die Menschen da; so viel Sonnenschein ist von da ab in mein Leben hineingesträut. Eigen ist es auch, dass in diesem Lande, und nicht in Meinem Vaterlande, die erste Gesamtausgabe meiner Schriften herauskommt; sie wird 25 Bände; die zwei ersten enthalten meine Biographie, die ich selbst diese Mal in Italien geschrieben habe, es ist so geschrieben, dass ich hoffen darf, dass man das Buch selbst ohne Interesse für mich lesen kann. Ich schicke Ihnen dieses, und wenn Sie es übersetzen wollen, da können Sie es auch in einzelne Bogen voraus bekommen. Ueber Triest and Ancona kam ich nach Rom, das dritte Mal im Leben nach Rom. Warum soll ich so viel Freude haben vor anderen Menschen? Ein Monath verweilte ich in der herrlichen Weltstadt, die Sonne und die Luft verjagte mich nach Neapel, wo ich in Sorrent und auf die Inseln verlebte schöne Tagen. Mein Ziel aber war Spanien, man sagte mir dorthin zu reisen ginge nicht im Sommer, aber ich glaubte der Wille seyd stärker als die Sonnenstrahlen; leider verweilte ich gar zu lange in Neapel; die Sonne brannte, die Scirrocco wehte, und zuletzt war ich so angegriffen davon, dass ich nicht mehr ausgehen konnte, nerveus durch und durch, ging der Larm in die Strassen wie ein brausende Strudel durch alle Gliedern, die Ruffen von die Leute, das ewige Glockengeläuten, mein Nachbar gegenüber, der immer spielte Scala bis in die Nacht hinein, es war um wahnsinnig zu werden. Mit dem Dampschiff »Castor« ging ich Ende Juni nach Marseilles; von hier ab wollte ich über Südfrankreich und die Pyrenäen nach Spanien; ich wollte, aber es ging nicht! Ganz elend kam ich nach Perpignan, ich musste die weitere Reise aufgeben, und nur mit Anstrengung erreichte ich die Pyrenäen, wo ich in den kleinen Badort Vernet, nahe der spanischen Gränze, 14 Tage verweilte, nur allein um Luft zu athmen und Kraft zu erhalten, dass es mir moglich werden könnte nach der Schweiz zurückzureisen. In der Schweitz bin ich ein Paar Wochen und nachher kurze Zeit, bei der Erbgrossherzog von Weimar auf seinen schonen Jagdschlosse »Ettersburg«.

Jetzt ziehen die Herbstwolken zusammen, die Störke sind fort, der Winter kommt vielleicht früher als wir erwarten, und darum eile ich gegen Norden, da hoffe ich wieder gestarkt zu werden. In 8 Tagen bin ich wieder in Copenhagen, da bekomme ich Brief aus London, nicht wahr? Selbst fliege ich kaum dahin früher als in einem Jahre, aber mein geistiges ich, meine Schriften kommen früher. Von meinen Gedichten erhalten Sie zwey Bande, ich schicke Ihnen auch hier, in einer Abschrift sehr gelungenen im deutschen Uebersetzung, vielleicht ziehen Sie, in englischen Kleidungen, meinen Kindern an, und dann weiss ich die kleinen kommen weit herum, sogar über das Weltmehr. Aus Copenhagen - wenn ich bekomme Brief von Ihnen, Adresse H. C. Andersen, bei Conferentzrath Collin - schicke ich mit Freude, etliche Beiträge Herrn Gemals Zeitung.

Grüssen Sie ihm und wer mir freundlich und gut ist. Freiligraths Adresse wünsche ich gern zu wissen, grüssen Sie ihn, Frau und Kind auf das herzlichste!

Ihr innig ergebener Freund

H. C. Andersen.

Tekst fra: Se tilknyttede bibliografiposter

[Kladde: se Brev]

Oldenburg, 28 September 1846.

Liebe, gnädige Frau!

mit wahrer Sehnsucht habe ich einen Brief von Ihnen erwartet, aber keiner kam und ich glaubte dann, daß mein letzter Brief, so wie das Buch vorher, verloren gegangen war; endlich, vor ein Paar Tagen, auf die Rückreise nach Dänemark, empfang ich in Leipzig Ihren liebevollen Brief, der war nach Weimar gegangen und von dort ab mir zugeschicht; meinen innigsten Danck für al[!] die Freundlichkeit, al[!] das Interesse für mich, welche durch jede Zeile ausspricht. Wie viel Freude und Sonnenschein kann man doch in ein Papier hineinlegen! Leider komme ich dieses Mal nicht nach London, ich bin durch die gräßliche Sommerhitze im Süden zu nerveus und leidend geworden um dieses Mal ein Besuch in London recht zu geniessen; ich gehe directe[!] nach Copenhagen. Gleich beim Empfang Ihres Briefes ging ich in eine Buchhandlung und nahm da die deutsche Ueberzetzung "des Bazars", ein Buch das Sie nicht erwähnt habe und welches, wie ich glaube, noch nicht in England bekannt ist; ich hatte eben bei der Componist Mendelsohn-Bartholdy Bekanntschaft gemacht mit die Klavierspielerin Frau von Dulcken, welche gewöhnlich lebt in London und bald aus Deutschland kehrt wieder zurück; der Bazar habe ich die Frau von Dulcken übergeben für sich, aber ich muß meine Entschuldigung machen, dass das Buch kommt unangezogen, aber dazu war keine Zeit, da ich eben von Leipzig abreisen wollte. Ich bin jetzt ein Jahr vom Hause, die Reise bis Neapel var[!] schön, ein Märchen voll von Sonnenschein. Die Menchen sind mir so gut gewesen, Anerkennung, Ruhm und Freude folgte[!] mir; aber von Neapel bis Schweitz war Alles Qual und Leiden, doch allein nur der Sonne wegen; ich habe gelitten wie ein Tantalus, die Sonne saugte mir Mark und Kraft aus den Gliedern. Eine garstigerer Wampyr als des Sydens Sommersonne kenne ich nicht. October voriges Jahr ging ich von Copenhagen, verweilte einige Tage auf das schöne "Gravenstein" in Schleswig beim Herzog von Augustenborg, sasz ganz heimisch zu Hause in eine befreundete Familie in Oldenburg. In Berlin verweilte ich beinahe eine Monath; der König war mir ausserordentlich gnadig; ich war ein Paar Mal eingeladen; auch die Märchen laß ich ihm vor in Potzdam, es war ein kleiner Kreis, der König, die Königin und Humboldt. Milde Augen blickten mich an, und dann fühle ich mich immer zuhause. Der König ist ein höchst interessanter, geistreicher Herr, ich habe ihm persöhnlich sehr lieb gewonnen. Bei die Brüdern Grimm, bei Rauch, bei Bettina, Savigny - ja, in allen Straßen sprangen die Thüren auf und ich trat nicht herein wie ein Fremder; ich bin ein Glückskind, ich fühle es! - Am längsten verweilte ich doch im lieben Weimar. Der Erbgroßherzog ist mir so innig und gut, er ist edler Mensch, voll des besten Strebens, ich liebe ihm auch, / so wie ein Herz lieben kann. Mehrere Freunde habe ich in diese alte Dichter Stadt; mit Heimwehe denke ich immer an Weimar! Auch am Hofe in Dresden so wie in Wien war ich ausserordentlich gnädig empfangen, in alle Städte fandt[!] ich bei Künstlern und Gelehrten einen herzlichen Empfang; Deutschland ist mir wie ein zweite Heimath, ich liebe das schöne Land und das Gemüth in die Menschen da; so viel Sonnenschein ist von da ab in meine Leben hineingeströmt. Eigen ist es auch, das[!] in diesem Lande, und nicht in Meinem Vaterlande, die erste Gesamtausgabe meiner Schriften herauskommt; sie wird 25 Bände; die zwei ersten enthalten meine Biographie, die ich selbst dieses Mal in Italien geschrieben habe, es ist so geschrieben daß ich hoffen darf, daß man das Buch selbst ohne Interesse für mich, lesen kann. Ich schicke Ihnen dieses, und wenn Sie es übersetzen wollen, da können Sie es auch in einzelnen Bogen voraus bekommen. Über Triest and Ancona kam ich nach Rom, daß dritte Mal im Leben nach Rom. Warum soll ich so viel Freude haben vor andern Menschen? Ein Monath verweilte ich in der herlichen Weltstadt, die Sonne und die Luft verjagte mich nach Neapel, wo ich in Sorrent und auf die Inseln verlebte schönen Tagen. Mein Ziel aber war Spanien, man sagte mir dorthin zu reisen ginge nicht im Sommer und am wenigsten in diesen gräslichen Sommer, aber ich glaubte der Wille seyd stärker als die Sonnenstrahlen; leider verweilte ich gar zu lange in Neapel; die Sonne brannte, die Scirocco wehte, und zuletzt war ich so angegriffen davon, daß ich nicht mehr ausgehen konnte, nerveus durch und durch, ging der Larm in die Straßen wie ein brausende Struddel durch alle Gliedern, diese Ruffen von die Leute, das ewige Glockengeläuten, mein Nachbar gegenüber, der immer spielte Scala bis in die Nacht hinein, es war um wahnsinnig zu werden. Mit dem Dampschiff "Castor" ging ich Ende Juni nach Marseille; von hier ab wollte ich über Südfrankreich und die Pyrenäen nach Spanien; ich wollte, aber es ging nicht! ganz elend kam ich nach Perpignan, ich muste die weitere Reise aufgeben, und nur mit Anstrengung erreichte ich die Pyrenäen, wo ich in den kleinen Badort Vernet, nahe der spanischen Gränze, vierzehn Tage verweilte, nur allein um Luft zu athmen und Kraft zu erhalten, daß es mir möchlich[!] werden könnte nach der Schweiz zurückzureisen. In der Schweitz bin ich ein Paar Wochen und nachher kurze Zeit, bei der Erbgroßherzog von Weimar auf seinen schonen Jagtschloße Ettersburg.

Jetzt ziehen die Herbstwolken zusammen, die Störke sind fort, der Winter kommt vielleicht früher als wir erwarten, und darum eile ich gegen Norden, da hoffe ich wieder gestärkt zu werden. In acht Tagen bin ich wieder in Copenhagen, da [overstr: hoffe] bekomme ich Brief aus London, nicht wahr? Selbst fliege ich kaum dahin früher als in einem Jahre, aber mein geistiges ich, meine Schriften kommen früher. Von meinen Gedichte erhalten Sie im Deutschen zwey / Bände, ich schicke Ihnen auch hier, in einer Abschrift sehr gelungenen im deutschen Ueberzetzung[!], vielleich[!] ziehen Sie, in englischen Kleidungen, meinen Kindern an, und dann weis ich die Kleinen kommen weit herum, sogar über das Weltmehr. Aus Copenhagen - wenn ich bekomme Brief von Ihnen, Adresse H. C. Andersen, und bei Conferentzrath Collin - schicke ich mit Freude, etliche Beiträge für Ihres Herrn Gemals Zeitung. Grüsen Sie ihm und wer mir freundlich und gut ist. Freiligraths Adresse wünsche ich gern zu wissen, grüssen Sie ihn, Frau und Kind auf das Herzlichste!

Ihr innig ergebener Freund

H. C. Andersen.

-

1.

Kleiner Viggo.

# 1.

Kleiner Viggo, willst du Pferdchen reiten?
Setz Dich auf mein Knie, Du meiner Lust!
Kind bin ich, wie Du, mit Leib und Seele,
Lasz uns spielen, bis zu Bett Du must.
2.
Hier bei dir find ich den Kinderhimmel
Und vergesse, wie mir weh gescheh’n; -
Laß mich deine rothen Wangen küssen,
Laß mich ich die braune Auglein sehn;
3.
Zeige mir, wie groß Du bist, mein herzchen,
O wie lieb dein Händchen ist, wie rund!
Lächeln sitzt in deinen zarten Grübchen,
Gar zu hübsch ist doch dein kleiner Mund!
4.
Jedes Blümchen liebst Du wie ein Bruder,
Kosest mit ihm freundlich das und dies;
Hast die ganze Welt in deiner Mutter
Und ihr Schooß ist Dir ein Paradies.
5.
Will ein hübsch Geschichtchen dir erzählen,
Bis Du in dein weiches Bettchen must;
Will ein Lied dir singen bis du schlummerst,
Kleiner Viggo, Deiner Mutter Lust!
6.
Bist du älter, wirst vielleicht Du singen
Mir auf meinem letzten Erdengang; /
Wenn die Schollen meinen Sarg bedecken,
Singst Du mit den dumpfen Wiegensang!
# 7.
Denke seiner, der Dich oft geschaukelt
Auf dem Arm, nach treuem, altem Brauch.
Mich vergißt die Welt und meine Lieder,
Meine Lieb’! Vergissest Du sie auch?

II

[overstr: med gotisk skrift: Thränen, rettet til engelsk håndskrift]
Thränen.

#

Mein Herz, ein graues Himmelreich,
Die Sorgen, drin den Welten gleich;
Es ist so wunderlich ihr Lauf,
Drum nimmt die Brust so schwer sie auf:
Weinst Du, sich Ruhe dir gesellt,
Denn jede Thrän’ ist eine Welt,
Ist eine Welt voll Sorg’ und Lust. -
Sie rollt herab von deiner Brust.

#

Und weintest Du Dich müd im Schmerz,
Wird von den Thränen leicht dein Herz;
Die Sorge, sei sie noch so groß,
Wohnt in der Thränen-Welten Schooß.
Glaubst Du, daß er, der Alles schaut,
Das Tröpfchen, das im Grase thaut,
Der was nur zu ihm strebt, erhält,
Daß er vergäße einer Welt?

/

III

Das sterbende Kind

#

Mutter, ich bin müde und ich sehne
Mich zu schlafen an dem Herzen dir.
Heis auf mein Gesicht fällt deine Thrane,
Weine länger nicht, versprich' es mir.
Hier ist's kalt und drausen Stürme wehen,
Doch im Traum ist Alles licht und klar.
Engelskinder hab ich dort gesehen
Immer, wenn mein Aug' geschlossen war.

#

Horch, Musik! von ferne klingt es leise;
Ach, zu meiner Seite steht ein Knab',
Flügel hat er, Mutter, schöne weise,
Die gewis der liebe Gott ihm gab.
Grün und roth und golden seh' ich's schweben;
Blumen streu'n sie mit den Händchen fein,
Sag', bekomm' ich Flügel auch im Leben,
Oder muß ich erst gestorben sein!

#

Warum hältst du meine Hand so bange,
Drückst den Mund so fest auf mein Gesicht?
Naß, doch feuerheis ist deine Wange,
Mutter, ich bin dein und laß dich nicht.
O, laß deine Tranen nicht mehr fliessen,
Weinst du länger, weinen muß auch ich.
Bin so müd; mein Auge will sich schliesen;
- Mutter, sieh, nun küst der Engel mich!

---

IV

Der Soldat

#

Es geht bei gedämpfter Trommel Klang;
Wie weit noch die Stätte! der Weg wie lang!
O wär er zur Ruh und Alles vorbei!
Ich glaub', es bricht mir das Herz entzwei!

#

Ich hab' in der Welt nur ihn geliebt,
Nur ihn, dem jetzt man den Tod doch gibt!
Bei klingendem Spiel wird paradiert;
Dazu bin auch ich commandiert.

#

Nun schaut er auf zum letzten Mal
In Gottes Sonne freudigen Strahl, -
Nun binden sie ihm die Augen zu -
Dir schenke Gott die ewige Ruh?

#

Es haben die Neun wohl angelegt;
Acht Kugeln haben vorbei gefegt.
Sie zittern Alle vor Jammer und Schmerz -
Ich aber, ich traf ihn mitten in's Herz.

--

V.

An eine Dame mit einem Veilchenstraus:
Das erste Veilchen, träumt heute Nacht
Es stand am Edens Pforten,
Wird es an deinen Busen gebracht
Ist Traum zur Wahrheit geworden.

-

H.C. Andersen

Tekst fra: Solveig Brunholm