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Brev fra H.C. Andersen til Carl Alexander 19. november 1846

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Dato: 19. november 1846
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

Kjöbenhavn [Kopenhagen] 19 November 1846.

Mein edler, theurer Erbgroßherzog! Den Doppelt-Brief habe ich empfangen, gelesen und wieder gelesen! Sie haben innig und herzlich an mich gedacht, Brief erwartet, er ist gekommen und Sie wissen wie mir die Zeit hingeschmolzen ist; Sie wissen wie ich an Sie denke, wie ich Sie liebe, mein hoher, theurer Freund! - Ach, ich habe oft Sehnsucht nach Ihnen; da tritt Ihr Bild so lebendig, so klar mir vor den Augen, ich glaube beinahe Sie sind in meiner Stube! ich konnte wünschen Sie wären nicht der künftige Großherzog zu Weimar, aber nur mein innigsten, mein theureste Freund aus Weimar, da konnte ich sagen: kommen Sie nach Kopenhagen, ich soll Alles thun für Ihre Freude, Sie herumführen und Ihnen ein treues, festes Herz sein! - Verzeichen Sie, ich vergesse die Konigliche Hoheit, Rang und Stand, wenn ich lebe in meine Herzens Welt hinein, - in der äusere Welt, kann ich es nie vergessen! -

Die Trauernachricht, daß die kluge, gute Frau von Redern gestorben ist, hat mich wehmüthig berührt; sie kam mir so freundlich entgegen; für mich gehörte sie, als etwas Bestimtes zu Ettersburg und Weimar; ihr Bild schwebt immer in den Reihen von weimarischen Erinnerungen. Die arme Minna! - ihren eigentlichen Namen erinnere ich nicht! - Wie geht’s ihr? Es scheint mir sie hat so viel verloren! -

Die Gräfinn liebte so innig den kleinen Prinz, sprach immer so viel von ihm, und er will, als älterer, kaum sie erinnern können. - Es war ein schöner Vormittag, der letzte, Ihr Königliche Hoheit, die Frau Erbgroßherzoginn, auch die Lind und ich, waren bei der Gräfinn. Die Lind sang ein Psalme, das letzte Lied sie sang für die Verstorbene; / wir waren Alle bewegt, aber vor Freude. Es war ein schöner Tag, es war Sonnenschein darausen, und wir waren Alle zusammen!

Beinahe drei Viertel Jahre habe ich kein Brief von der Lind, aber mehrmals, und jetzt ganz neulich, die innigsten, die herzlichsten Grüßen; ich weiß es, sie denkt wie eine Schwäster an mich; auch ich habe nicht mehrere Monaten geschrieben! sie hat so eben in München viel Freude und Glück gehabt; ich laß in der algemeinen Zeitung einen sehr enthusiastichen Lob, und ich - auch ich - kam da in eine Art Vergleichung mit der Lind; es war geschrieben, daß das Volkslied klang so wundervoll, man glaubte man hörte ein Mährchen von ihre(m) schandinavesche Landsmann Andersen. Auch in "Jahrbücher der Gegenwart" Sept: und October Heft 1846 hat man die Lind und mich zusammengestellt! Eure Koniglich: Hoheit lesen Sie die beiden Heften, es ist einen Aufsatz "Andersen und seine Werke". Ich kan eitel werden!

In diesen letzten Tagen habe ich wieder eine große Freude! Øehlenschläger war am letzten Sonabend 67 Jahre alt, und an diesem Tag wurde fürs erste Mal seine neueste Tragedie: Amleth gegeben; sie ist großartig schön, eine wahre Tragedie! so dänisch, mit Duft von den Buchenwäldern und den Kleefeldern, so frisch wie Wellenschlag! sie ist ganz verschieden von Schackspears Hamlet, sie ist geschicktlich; Øehlenschläger hat mit wahrer Meisterhand die großen Züge hingeworfen, ich bin ganz voll davon! gestern, bei zweite Aufführung hatte ich die nehmliche Freude. Wie schön, daß der Geist bleibt ewig jung; man denkt nicht an dem Sieben-und-sechziger. Ach, wenn ich das Stück geschrieben hätte! doch nein, ich bin eben so froh, daß er, der gute Alte, so etwas gegeben hat. Auch / der König ist sehr entzückt, und nach der ersten Vorstellung, schrieb er und sandte, der nehmlichen Abend, einen herzlichen, innigen Brief an Øehlenschläger, und sprach seine Freude aus. Ich habe den Brief gelesen, und ich liebe den König! er ist so gut, so edel! -

In künftigen Monath, hoffe ich, kommen die ersten fünf Bände der GesammtAusgabe meiner Schriften, (der Improvisator und die Biographie); beide lasen Eur: Koniglich: Hoheit, und von der Biographie höre ich erst? Ich darff es hoffen? Hier in Kopenhagen kommen, zu Weinachten, alle meine Gedichte von 1823 bis 1847 (dänisch) heraus; darinn steht, im Dänischen, unter mehreren neuen, auch das Gedicht an den kleinen Prinz Carl August; es ist, glaube ich, daß erste Mal sein Nahme steht in einer Gedichtsamlung in Auslande; es macht mir, als sein erster ausländischen Sänger, Freude! ich bringe ihm einmal die dänischen Gedichte. Ein Lied für die Kleinen, daß ich früher geschrieben habe und welches Meyer, der Verfasser "Neapel und die Neapolitaner", sehr schön übersetz hat, gebe ich hier. Ihr Konigliche Hoheit wollen es vorlesen, wenn der Kleine auf seiner Mutters Schooß sitzt, und auch die konigliche Hoheit will mich mild und gnädig erinnern; auch in tiefster Erfurcht mein Gruß an die hohen Eltern. Leben Sie wohl und glüklich mein theurer Freund, mein edler hoher Herr! ich liebe Sie fest und innig; Ihr treu, ergebener

H.C. Andersen

Lied für die Kleinen.

1.

Stirne! eine feste Wand!

Da logirt der Herr Verstand.

Der wird lernen und studiren,

Das sie einst Dich respektiren.

Vornehm sitzt er in dem Hirn

Hinter dieser hohen Stirn.

/ 2.

Augenstern! wie hell und klar!

Zweie, glaub’ ich, hast Du gar!

Heller unter deiner Braue

Blickst Du jetzt, bei Gott, ich schaue

Tief Dir in des Herzens Kern,

Du mein süßer Augenstern!

3.

Nasengipfel! Rößlein fein,

Brille soll der Reiter sein,

Weiß die Brille nicht die Straße,

Folgt sie nur getrost der Nase.

Ei, welch’ kleiner runder Schnipfel!

Unser Roß heißt Nasengipfel!

4.

Mäulchen! wie ein Kirschenpaar.

Du bist frisch und süß, nicht wahr?

Ist's gewis auch, daß die weißen

Schälmen-Zähnchen auch nicht beißen?

Kleiner, gib ein Kußchen mir.

Wipp! ich stehl's von Mäulchen Dir!

5.

Kinn! Du Zipfel, angesetzt

Ans Gesicht, Du kommst zuletzt.

Doch ein Schelm - muß ich gewahren -

Kommt im Grübchen da gefahren.

Flugs geht s übern Nasengipfel,

Maulchen zu des Kinnes Zipfel.

6.

Krible, krable, krible! will

Wohl der Kleine sitzen still?

Soll ich nicht den Wicht entdecken,

Der sich will da drin verstecken?

Siehst Du, daß ich jetzt ihn hab’?

Krible, krable, krible, krab!

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Tekst fra: Ivy York Möller-Christensen