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Brev fra Carl Alexander til H.C. Andersen 6. december 1846

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Dato: 6. december 1846
Fra: Carl Alexander   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

33 Carl Alexander an Andersen

Weimar den 5 December 1846.

Empfangen Sie, mein Bester, all' meinen herzlichsten Dank für Ihren lieben Brief von dem 19 d. v. M. Er ist mir willkommen gewesen wie Alles was von Ihnen kommt. Ich habe mit Rührung und inniger Freude den wiederholten Ausdruck Ihrer Freundschaft für mich in demselben gefunden, zwar kenne ich Ihr Herz und die Gesinnungen der liebe und Anhänglichkeit die es in Bezug auf mich birgt, dennoch erfreut mich die erneuerte Versicherung solcher Gefühle immer von Frischem. Erfreut man sich doch gern immer wieder an den Zügen, den wohlbekannten, des Bildnißes einer geliebten Person. Sie brauchen mich nicht von dem Rang getrennt zu wünschen den ich trage; sie lieben mich, denke ich, um meiner selbst, nicht um meines Ranges willen und mein Ich ist das eines Menschen, der, glauben Sie mir, lieben kann und Freundschaft empfinden wie jeder Andere. - Die Verse welche Sie mir mittheilen sind so reizend und humoristisch, daß ich mich kaum erinnere in der Art etwas Hübscheres gelesen zu haben. Meine Frau hat mich gebeten ihr eine Abschrift von denselben zu machen um sie meinem Sohne vorzusingen. Der erste / Vers über das logis des Herrn Verstand’s ist namentlich eigenthümlich und hübsch. Sie wissen nicht wie sehr Sie mich durch solche Mittheilungen erfreuen. Auf die Herausgabe Ihrer Schriften bin [über gestr.: freue] ich sehr (aus: mich) gespannt; ich verspreche Ihnen den Improvisator und die Biographie und Alles was Sie wollen zu lesen, denn wie gesagt, Alles steht mir nah was mir von Ihnen kommt. - Daß meines Sohnes Name der literarischen Welt zuerst durch Sie genannt werde scheint mir von guter Vorbedeutung weil ich den Namen gleichsam mir dann beschützt denke durch die freundschaftlichen Gesinnungen welche den Literaten mit den Vater verbinden. - Was Sie mir über Oehlenschlägers Amlette sagen, hat mich sehr interessirt.

Doppelt begrüßt man solch Werk

In unseren dürftigen Tagen

Wo des Geschreibes so viel

Tödet den göttlichen (über gestr.: unl.) (Schwung).

Fast keiner unserer Dichter, unserer Litteraten, opfert rein auf dem Altar. Sie alle vermischen den Weihrauch mit unreinen Stoffen. Dies kommt daher, daß die meisten dergleichen productiven Geister die Literatur, die Poesie u.s.w. nicht als ihren Zweck, sondern als ihr Mittel betrachten. Sie spannen den Pegasus vor den Wagen auf welchen sie die Zeitansprüche, Politik, Kirche und vor Allen ihr liebes Ich laden. Auf solche Leute paßt Schillers Gedicht. Es ist eine traurige Zeit für die deutsche Literatur doch gewiß wird sie / besser werden und dies bald, denn das Extrem ist nie von langer Dauer. Sollte Oehlenschlägers Amlet in's Deutsche übersetzt werden, so senden Sie ihn mir. - Daß unsere Nachtigall für Sie seit einiger Zeit verstummt ist, thut mir leid, da ich weiß wie sehr Sie sie lieben. Doch mögen Sie wohl dennoch bei ihr auf die Dauer ihrer Gesinnungen bauen. Möge sie auch dabei ihrer hiesigen Verehrer gedenken, wir haben, ich darf es wohl sagen, ein Recht darauf. - Ich bin jetzt ganz vergraben hinter Geschichtsbüchern; ich studiere die Papiere Gustavs III. Währenddem sehen wir den jetzigen Thronerben desselben Throns auf den der König blutete(.) Wie ist doch das Schiksal wunderbar! Der Kronprinz von Schweden ist ein junger Mann von Verstand, Herz, Energie und Kenntnissen. Er kann Etwas vor sich bringen. - Eckermann ist und bleibt immer hier. Er giebt mir Unterricht in der Literatur; er ist einer von denen deren Opferflamme rein ist. Wär er sonst was er wollte, ich schätzte ihn deshalb schon. Er ist mit der Herausgabe des dritten Theils seiner Conversationen mit Goethe beschäftigt, der ganz vortrefflich sein soll. Ich lese das Niebelungen Lied jetzt mit ihm. Es ist eine wundersame Natürlichkeit in dem/selben. Alle Situationen werden durchgehandelt, alle, weil sie eben in der Natur so sind. Manche Sätze athmen hohe Poesie, andere ein solches Zartgefühl daß man sich unwillkührlich gefesselt fühlt. Und dann die Kraft, diese Urkraft, welche aus all' den Helden spricht die dastehen so stark und mächtig wie die uralten Eichen der Deutschen. - Für heute leben Sie wohl, die Augen fallen mir zu vor Müdigkeit. - Meine Frau grüßt Sie herzlich, ich umarme Sie in Gedanken als Ihren herzlich ergebener Freund CA

Tekst fra: Ivy York Möller-Christensen