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Brev fra H.C. Andersen til Charles Boner 4. marts 1847

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Dato: 4. marts 1847
Fra: H.C. Andersen   Til: Charles Boner
Sprog: tysk.

[ = Kladde!]

Kopenhagen 4 Martz 1847.

Lieber Freund!

Ja, durch die Herzlichkeit in Ihren Briefen, dureh die Innigkeit womit Sie mir entgegengekommen sind, darff ich Sie wohl so nennen! - Ich verstehe, Sie sind mir gut und ich freue mich innig Ihre Bekanntschafft zu machen, aber wann und wo! Doch jetzt geht Frühling und Sommer auf, ich muß hinaus, und wenn Gott will nach England, dann treffen wir uns! - Ich habe keine Idee von Ihrer Personlichkeit, keine von Ihrem Auseren, aber ich fühle es durch die geschriebene Worte, ein Freundes-Hertz schlägt mir entgegen! - Warum ich nicht geantwortet habe auf die früheren drei Briefe fragen Sie; aber den ersten Brief nach Berlin, habe ich nie bekommen; es muß wieder an Sie zurück geschickt sein [overstr: Sie an Sie], ich glaube dass ich in Italien [overstr: sehen glaube] der Brief [overstr: bekam ist]nach Berlin gekommen, ich [overstr: hörte erste Mal] laß zum ersten Mahle Ihre Nahme als ich auf die Rückreise, in September, voriges Jahr [kam] nach Leipzig in einer englischen Zeitung kam sah ich daß die Mährchen [overstr: waren] in London [overstr: herausgegeben] von Bonet mit Bilder von Pocci herausgegeben waren. - Ich ahnte nicht daß Sie freundlich an mich dachte. - In keiner Buchhandlung / konnte ich ein Exemplar von der englischen Uebersetzung auftreiben; auch nicht in Hamburg. -

Gegen Weinachten bekomme ich durch den Østerrischen Gesant Ihren zweiten Brief, für mich [overstr: daß] der erste! - es machte [overstr: mich] mir eine grosse Freude und es war meine Absicht gleich nach Weinachten Ihn zu beantworten, aber - ich ging aufs Land [overstr: bei] zu unserm Finanzminister Moltke, die Tagen gingen bunt und schnell in Weinachtsfreuden, als ich [overstr: kam] zu Hause kam, guckte mir die Mährchen uber die Schultern, ich bin in einem ungeheuren Brief-Schuld an lieben Freunde im Auslande, Sie kamen zwischen die Debitoren, ich dachte immer, mein Gott, Du muß [overstr: nur] Briefe schreiben, aber immer kamen neue Mährchen, immer neue Kapittelen in meinem neuen Roman, ich habe [overstr: mich] mir Vorwürfe gemacht, kennen Sie diese Stimmung, dann wissen Sie daß eben durch diese Unrecht gegen die Lieben, liebt man sie noch mehr. - Nach den / letzten Sommer in Italien und SüdFranckreich bin ich körperlich ganz leiden; ich bin weder nach Spanien, noch auf die Rückreise über London gegangen, schwach und angegriffen kam ich zu Hause, und dieser [overstr: näßig] naße, neblicher Winter ist für mich kein stärkender gewesen. So was körperliches giebt mich eine Art Faulheit, die gar nicht mit dem Herzen in Verbindung steht. Jetzt kam Ihr dritter, für mich zweiter Brief, es muß einen Umweg gemacht haben, denn erst vorige Woche [overstr: könne sehen für Augen] erhielt ich ihnen. - Da stand ich eben mit dem Abschreiben der Mährchen, mit Vorreden für die deutsche Ausgabe meiner Schriften, und daher [overstr: schreibe] kommt es dass ich erst heute schreibe. Sie [overstr: wollen mich] werden mir nicht böse sein; nächste Mahl, wenn ich [overstr: höre] erfahre dass Sie [overstr: habe] diese Zeilen so innig empfangen haben, wie sie [overstr: sind] geschrieben sind, geht meine Brieftaube augenblicklich fort. - Ich habe eigentlich gar nicht verdient daß Sie diese Briefe an mich schreiben, aber ich will es vergelten. Lesen Sie mein neuestes / Buch im Deutschen: Das Mährchen meines Lebens, da liege ich aufgeschlagen, im Leben und Dichten, Sie wollen mich kennen und dieses Mahl nicht missverstehen. Ihre Ueberzetzung der Mährchen habe ich meinen Buchhändler verschrieben lassen, aber noch nicht bekommen. Meine besten Mährchen, der Tannenbaum, die Schneekönigin und 'der Schatten' stehen leider nicht darinn! Ich lehrne jetzt Englisch, aber ich habe so wenig Zeit und kein großes Sprachtalent, wir müßen mit einander ambesten Deutsch sprechen wenn wir uns begegnen, [overstr: obschön Deutsch ist nicht unsere Muttersprache]. Künftiger Winter komme ich vielleicht nach Deutchland, ich möchte ein mahl gerne nach Regensburg, sind Sie im Winter da; ich habe sonst gar keinen Bekannten am bayrischen Donau. Und nun leben Sie wohl, lieber Freund, ich umarme Sie in Gedanken, Ihr innig ergebener

Tekst fra: Solveig Brunholm (microfilmscan 13, 298-301)

Kopenhagen 4 Martz 1847.

Lieber Freund!

Ja, durch die Herzlichkeit in Ihren Briefen, dureh die Innigkeit womit Sie mir entgegengekommen sind, darff ich Sie wohl so nennen! - Ich verstehe es, Sie sind mir gut, und ich freue mich innig Ihre Bekanntschafft zu machen, aber wann und wo? Doch jetzt geht Frühling und Sommer auf, ich muß hinaus, und wenn Gott will, nach England, dann treffen wir uns! -

Ich habe keine Idee von Ihrer Persönlichkeit, keine von Ihrem Auserem, aber ich fühle es, durch die geschriebene Worte, ein Freundes-Hertz schlägt mir entgegen! - Warum ich nicht geantwortet habe auf die früheren drei Briefe, fragen Sie; aber den ersten Brief, nach Berlin, habe ich nie bekommen! er muß wieder an Sie zurück geschickt sein; ich glaube daß ich in Italien war, als das Brief nach Berlin kam. Ich laß zum ersten Mahl Ihr Nahme, als ich auf die Rückreise, in September, voriges Jahr, nach Leipzig kam: in einer englischen Zeitung sah ich daß die Mährchen in London v. Boner, mit Bilder von Pocci, herausgegeben var, ich ahnte nicht daß Sie freundlich an mich dachte. In keiner Buchhandlung in Leipzig, auch nicht in Hamburg, konnte ich ein Exemplar von der englischen Uebersetzung auftreiben

Gegen Weinachten bekame ich durch den österrischen Gesant, Ihren zweiten Brief, für mich der erste! / - er machte mir eine große Freude und es war meine Absicht, gleich nach Weinachten Ihn zu beantworten, aber - - ich ging aufs Land zu unserm Finantzmenister Moltke, die Tagen gingen bunt und schnell in Weinachts Freuden, und als ich zu Hause kam guckte mir die Mährchen uber die Schultern. Ich bin in einem ungeheuren Brief-Schuld an lieben Freunde im Auslande, Sie, lieber Freund, kamen zwischen die Debitoren, Sie werden mir nicht böse sein! ich dachte immer, mein Gott, Du muß Briefe schreiben, aber immer kamen neue Mährchen, immer neue Kapittelen in meinem neuen Roman. Ich habe mir Vorwürfe gemacht. Kennen Sie diese Stimmung, dann wissen Sie, daß eben durch diese Unrecht gegen die Lieben, liebt man sie noch mehr. - Nach den letzten Sommer in Italien und Süd-Franckreich, bin ich, körperlich, ganz leidend. Ich bin weder nach Spanien, noch auf die Rückreise über London gegangen, schwach und angegriffen, kam ich zu Hause, und dieser naße, neblicher Winter ist für mich kein stärkender gewesen. So was Körperliches giebt mich eine Art Faulheit, die gar nicht mit dem Herzen in Verbindung steht. Jetzt kam Ihr dritter [overstr: Brief], für mich zweiter Brief, es muß einen Umweg gemacht haben, denn erst vorige Woche erhielt ich ihnen; eben da stand ich mit dem Abschreiben der Mährchen, mit Vorreden für die deutsche Ausgaben meiner Schriften, und daher kommt es, daß ich erst heute schreibe. Sie werden mir nicht böse sein; nächste Mahl, wenn ich erfahre, daß Sie diese Zeilen so innig empfangen haben, wie sie geschrieben sind, geht meine Brieftaube / augenblicklich fort. - Ich habe eigentlich gar nicht verdient, daß Sie drei Briefe an mich schreiben, aber ich will es vergelten. Lesen Sie mein neuestes Buch im Deutschen: Das Mährchen meines Lebens, da liege ich aufgeschlagen, im Leben und Dichten, Sie wollen mich kennen und dieses Mahl nicht missverstehen.

Ihre Ueberzetzung der Mährchen habe ich meinen Buchhändler verschrieben lassen, aber noch nicht bekommen. Meine besten Mährchen, der Tannenbaum, die Schneekönigin und der Schatten stehen leider nicht darinn! Ich lehrne jetzt Englisch, aber ich habe so wenig Zeit und kein großes Sprachtalent, wir müssn mit einander ambesten Deutsch sprechen, wenn wir uns begegnen. Künftiger Winter komme ich vielleich nach Deutchland, ich möchte einmahl gern nach Regensburg, sind Sie im Winter da; ich habe sonst gar keinen Bekannten am bayrischen Donau. Und nun leben Sie wohl, lieber Freund, ich umarme Sie in Gedanken, Ihr innig ergebener

H.C. Andersen

(Copenhagen, Hotel du Nord, Königs Neumarkt). /

[Udskrift, med poststempler:]

Sr Wohlgeb.

Herrn Charles Boner.

St. Emeran.

Regensburg.

(Königreich Bayern)

frei

Tekst fra: Solveig Brunholm (LP 114, billed 6321-24)