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Brev fra H.C. Andersen til Carl Alexander 27. januar 1850

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Dato: 27. januar 1850
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

77 Kopenhagen 27 Januar 1850

Mein lieber, theurer Erbgroßherzog!

Gruß und Segen im neuen Jahre! - Und nun erst kommt die Brieftaube. Alles ist Schnee und Eis, der Weg über das Belt so weit und unsicher; der Gedanke fliegt schneller und kehrt zurück mit dem ganzen Ettersburg, Weimar und allen den Lieben da. Meinen Dank für Ihre unveränderte Liebe für mich, mein hoher Freund! -

Sehe ich eine schöne Natur, oder bin ich an einem, durch Erinnerungen geheiligten Ort, dann flüstre ich mir selber zu: hier ist Raum für mehrere, wären meine Lieben hier und nähmen Theil an meinem Genuß. So geht es mir auch mit einem guten Buch; je mehr es mich anspricht, desto dringender wünsche ich, daß Alle es lesen möchten. Dieses ist eben in diesen Tagen der Fall mit Ørsteds neuem Werke: "Der Geist in / der Natur." /: erscheint bald in deutscher Uebersetzung :/ Beim Lesen dieses Werkes wird die Welt so herlich groß, so verständig, so Heilig. Ein Umweg führt uns zu Gott, aber ein interessante Umweg, wo die Offenbarung in Wercken verherrlicht sich zeigt wie sie in der Bibel erscheint. Es ist ein "Kosmos", aber in populairer und bündiger Kürze. - - - -

- - So weit war ich, vorige Woche, mit meinem Briefe, mein lieber, hoher Freund; ich wurde unterbrochen, - und wodurch? Der Norden hat seinen Göthe verloren: Øehlenschläger verschied an 20ten Januar, am Sterbetage Christian des 8ten, an derselben Stunde des Abends! kurz vor seinem Tode war ich zweimal da. Er wohnte dicht am Schloße; die Aertzte hatten mir gesagt, der Tod würde bald folgen. Es war seltsam für mich, nach des Schloßes düstern Fenstern hinzuschauen, und daran zu denken, wie ich hier vor zwei Jahren in Angst für meinen lieben, lieben König umherwandelte - und jetzt ging ich wieder da besorgt für einen Konig - einen Dichterkonig. Sein Tod war ohne Schmerzen; von seinen Söhnen ließ er sich vorlesen eine Scene aus seiner Tragedie Socrates, wo dieser von der Unsterblichkeit redet; dann sprach er seine eigene Ueberzeugung von dem ewigen Leben aus, küßte seine Söhne und seine Schwiegertochter, und sagte er fühlte sich ruhig und ohne Schmerzen; dann bat er daß der letzte Kampf leicht werde, legte sich ruhig und verschied.

Ich habe seine Leiche gesehen; seine Krankheit, die Gelbsucht, hatte ihm das Aussehen einer Bronze/-Statue gegeben, nicht das einer Leiche; die Stirn war schön, jung und hell. Gestern, den 26sten trug das Volk ihn zum Grabe, ja das Volk in voller Bedeutung, den alle Klassen, Beamte, Studenten, Matrosen, Soldaten schloßen sich dem Zuge zu und trugen den Sarg den langen Weg nach "Frederiksberg", da wo er geboren wurde und wo er wünschte begraben zu werden. Der Weg dahin ist eine halbe Meile lang, doch wurde er getragen. Die eigentliche Trauerfest war in der Frauenkirche; Seelands Bischof hielt die Trauerrede; der alte Grundtßvßig und ich hatten auf Aufforderung, Trauerlieder geschrieben. Beiliegend schicke ich Eu: Könl. Hoheit, eine Uebersetzung in Prosa von meinen Lied: "von den Wällen Kopenhagens", als der Leichenzug die Stadt verließ,

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"Lebewohl Du größter Sänger des Nordens,

Hinaus nach deiner Heimath geht der Zug; "

"Eine hübsche Allee zum Kirchhofe:""

Ein Volk in Trauer steht dem Weg’ entlang.

Nach Friederichsberg! da stand deine Wiege,

Des Geistes Lampe strahlte reich da;

Da soll über Dich das Grab sich schließen;

Deine Wanderung ist ein Schönheits Gedicht.

Gottes Licht in dir wurde des Geistes Eigenthum,

Theil von uns selber, und immer unser.

Lebe wohl! ruhe sanft! Bereit ist dein Bett,

- In Thränen starb das Wiegenlied hin!

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Leb wohl, leb wohl! - Nun weint der Norden, /

Den Du verstanden, Du besungen hast,

So daß die Helten-Zeit wieder aus der Erde stieg,

Ihr Herz schlug, ihre Schilder klangen.

- Wie der Frühlings Wind über die Wellen,

So frisch, so gesund kam der Gesang.

Dein Lied war dänisch, wie der Buchenwald,

Und nordich, wie des Nordlichts Pracht.

Leb wohl, leb wohl! *) Du größter Sänger des Norden,

Hinaus nach deiner Heimath geht der Zug;

""Eine hübsche Allee zum Kirchhofe"",

Ein Volk in Trauer steht dem Weg entlang!

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*) Leb wohl! d. h. im dänisch "Farvel!" ist verwant mit dem Englischen "farewell!" und nicht d: Worth "Lebwohl!" -

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Im Königlichen Theater wird das Fest zu seinem Andenken enthalten: "Hakon Jarl" und diejenige Scene aus Socrates, welche in seiner Sterbestunde ihm vorgelesen wurde.

Den kleinen Nordsterns Orden, welchen Øehlenschläger selbst getragen hatte, gab er mir im vorigen Jahre; ich habe da eine schöne bleibende Erinnerung an ihm.

Er ruhe in Frieden!

Möchte den Frieden auch über den Länder ruhen. Liebe und Freundschaft ruffen mir oft Weimar in die Gedanken zurück - und auch dann muß ich seufzen: "Die schöne Zeit ist vorüber! da ich da war! [eingefügt: da ich da war!] wird sie je wiederkommen?" Gott erfreue und segne Sie (doppelt unterstr.: Gott erfreue und segne Sie), mein edler Fürst!

Ihr innig ergebener

H.C. Andersen

Tekst fra: Ivy York Möller-Christensen