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Brev fra H.C. Andersen til Carl Alexander 21. august 1852

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Dato: 21. august 1852
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

Korcelitse, Falster 21 August 1852.

Euw: Konigliche Hoheit

haben meinen letzten Brief empfangen eben als ich im Begriff war, mit dem Herzen, voll von Weimar, und froh über die schönen Tage in München, über die Alpen in Italien hin ein zu gehen; jetzt liegen mehrere Wochen dazwischen, und diese sind durch die Abwechselung des Reiselebens für mich wie ein ganzes reiches Jahr. Der Weg über Splügen, den ich früher nicht kannte, ist großartig und erhebend; es ist eigenthümlich, so durch den Rückgrat der Erde zu reisen, hoch durch die Wolken, von Alpenrosen und Schnee umgeben; einer nach dem anderen brausten die Wasserfälle und tief unter dem Wege, der wie ein Schwalbennest an dem Felsen hing, strömte der Rhein, so schaumend, so wild, so übermüthig, als sei er doch immer der Wichtigste in der ganzen Scenerie.

Einige Tage vor meiner Ankunft in Milano war die Diligence von 12 Raubern überfallen worden; die 6 davon wurden ergriffen, und eben am Tage meiner Ankunft, gehängt. Die Hitze war unausstehlich, 32 Grade im Schatten; nur des Abends und Morgens früh konnte man ausgehen; ich war dann oben auf dem Dom; die großartige Schönheit dieses Gebäudes ergriff mich jetz weit mehr als ich vor neunzehn Jahre da zum ersten Male war. 19 Jahre sind vorüber seit ich meinen erste Reise nach Italien machte und meinen Improvisator / schrieb; als ich nun den Dom bestieg und über das Land hinaus sah, wie Moses über Kanaan, kam es mir vor als sollte ich es für immer Lebewohl sagen. Gott weiß ob es so wird.

Die Hitze hat mich dies mal mit ihrem Flammenschwert aus diesem Paradise der Poesie getrieben, ich konnte nicht athmen, und war froh als ich von St: Gotthard in das Land gegen Norden hin ab schaute. Ich verweilte einige Tage bei dem Vierwaldstädtersee, für mich dem schönsten aller schweitzerischer Seen; ich fühlte mich da, so erfrischt, so zufrieden. Schweitz ist eine ganze Dichtung von dem lieben Gott selbst; dies mag wohl der Grund sein, warum das Land selbst keine Dichter hervorgebracht hat. Ich nahm Abschied von ßgestr.: ihmß es bei Schaffhausen. Der weltberühmte Wasserfall da, wollte mir aber nicht gleich ansprechen, er schien mir kleiner als der bei Trollhätta in Schweden, ja selbst kleiner als einer unbekannten Nahmens bei Splügen. Doch, als ich hinunter kam, war der Eindruck ein ganz anderer. Die ungeheure Wassermasse rechts ist es eigentlich, welche die ganze Sehkraft in Anspruch nimmt; es ist eine einzige lange Welle welche sich in wirbelnden schneeweißen Wolken auflöst. Es ist die Schöpfung einer Wolken-Welt, es ist eine sich in strahlenden Dampf auflösende Gletsche. Durch den ernsten Schwarzwald, / wo die Kohlenmeiler durch den Wald glühten, und wo alle hübsche Menschen mir wie Bekannte aus Auerbachs Dorfgeschichten vorkamen, kam ich nach Freiburg, und dann auf den Flügeln des Dampfes durch die Länder und den Rhein hinab.

Ueber 14 Tage schon bin ich nun zu Hause und brauche das Seebad auf Falster. Ich bin hier im Besuch bei einer liebenswerdigen Familie, nämlich bei dem Kammerherrn Classen. Der Wald und der Garten von Korcelitze geht nach der offenen See hinaus mit den kühlen Wellen. Eur: Konigliche Hoheit sehen vielleicht in diesem Augenblick eine noch schönere See, das Mittelmeer; möchte jede heranschwellende Welle Ihnen den Apfel der Gesundheit bringen.

Morgen gehe ich nach Kopenhagen. Die Konigin Caroline Amalia ßWitwe Christian des VIII) hat mich allergnadigst eingeladen etliche Tage in Ihrer Nähe zu verweilen auf das schöne Sommerschloß Sorgenfrei, nach einer Woche bin ich wieder zuhause. - Mein herzlichstes Lebewohl! Ihre Konigliche Hoheit innig ergebener

H.C. Andersen

Tekst fra: Ivy York Möller-Christensen