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Brev fra Carl Alexander til H.C. Andersen 27. december 1852

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Dato: 27. december 1852
Fra: Carl Alexander   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

101 Carl Alexander an Andersen (Diktat)

Seit einigen Tagen unwohl, und seit gestern fast bettlägrich, ziehe ich es vor diesen Brief zu dictiren, statt Sie länger auf Antwort warten zu lassen. Ihren ersten Brief erhielt ich in Sorent, Ihren zweiten in Venedig. Mein Mund schwieg, wo mein Geist redete, das fühlen Sie; letzterer dankte Ihnen für Ihre Erinnerung, und für den sich stets erneuernden Beweis treuer Anhänglichkeit. - Sie kennen Italien, Sie wissen was es sagt, muß ich Ihnen erklären wie die Beschäftigung mit dem was es mir sagte mir das Schreiben oft recht schwer machte? Mein Schweigen werden Sie daher wahrscheinlich begreifen und vielleicht entschuldigen. Einstweilen haben Sie Ihre Schritte wieder gen Norden gewandt, Ihr letzter Brief beweist mir daß Sie sich in sympathischer Thätigkeit dort wieder gefunden haben, meine besten Wünsche begleiteten Sie! Möge Ihnen das Glück zu Theil werden, was ich in Italien so sehr genoß, nämlich durch die Beschäftigung mit dem Außerordentlichen mich über die Sphäre des Alltägigen hinweg gehoben zu fühlen in der der ruhig sich entfaltenden geistigen Thätigkeit. Dieses Gefühl ist eigentlich dasjenige was mir jenseits der Alpen den meisten Genuß verschafft hat. In der That ist / wohl kein größerer, als wenn man durch eine sympathische Umgebung gefördert allmälig mehr und mehr beobachtet, dadurch erkennt, und endlich sich hierdurch gefördert fühlt. Ich hatte Italien als halbes Kind das letztemal bereist, was ich dort gesehen, war mir zwar noch hell im Gedächtniß, aber nur wie die Gebilde eines schönes Traumes in der Phantasie wohl noch zu verbleiben pflegen. Was ich nun fühlte und erlebte, als ich vergangenen Sommer in das gelobte Land hinein zog, kann ich nicht besser vergleichen, als wenn ich neben der dunkeln Verheißung die Erfüllung stelle. Es ist das Verheißene, es ist das Gekannte, aber in einer andern höhern Octave. Erstaunt bin ich namentlich über die Vielseitigkeit dessen, was Italien sagt, die Geschichte, die Wissenschaft, die Kunst, das Gouvernementale, die Religion, das Menschliche, die Natur; alles tritt so mächtig, so eloquent vor die Seele, daß sie bisweilen staunend verharrt wie vor dem Firmament, indem sie immer mehr Sterne entdeckt, jemehr sie in dasselbe sieht! Daß ein solches mächtiges Einwirken nicht ohne Einfluß bleiben könne, müssen Sie sich selbst sagen, und werden mir daher glauben, wenn ich Ihnen gestehe, daß ich mich ganz anders fühle, als ich war! - Kein Mensch, der / aus jenem Lande zurückkehrt, und dort gelebt, daß heißt gefühlt und erkannt hat, kehrt so heim wie er gegangen. Ist es doch das Land der Seele! -

Jemanden der und liebt unser Bildniß zu schicken ist wohl eine passende Sitte; sollte es nicht eben so passend seyn ihm das zeitweilige Bild unserer Seele zu schicken? So nehmen Sie denn das Meinige hin, und wünschen Sie mir Weisheit, Thatkraft und Glück, daß das Erlebte kein Verlebtes werde! -

Ich habe meinen Vater von schwerer Krankheit genesend, meinen Sohn an den Masern leidend wiedergefunden. Es ist jetzt Beiden, Gott sey Dank, wohl! -

Ihr

herzlich ergebener Weimar den 27 December 1852.

Carl Alexander

Soeben erhalte ich Ihre Weihnachtsgabe, für welche ich Ihnen herzlich danke. So bin ich auch von Freundeshand aus der Ferne, gleich bei der Ankunft in der Heimath, liebend begrüßt!

Tekst fra: Ivy York Möller-Christensen