Dato: 4. januar 1854
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Dresden am 4. Januar 1854

Theurer,verehrter Herr Andersen

Den innigen Anteil kennend, welchen Sie an Allen nehmen, was uns betrifft, er laube ich mir, Ihnen unsres Pflegesohnes Verlobung anzuzeigen. Es ist die Tochter des frühren kommandierenden Generals unsrer Armee, Clementine von Cerrini de Monte-Varchi. Vor 10 Jahren waren sie schon im Stillen verlobt, aber beide zu jung und Carls Verhältnisse noch nicht geordnet, um heiraten zu können. Treue Liebe und Ausdauer führt aber doch zum Ziele, und meine künftige Tochter ist ein sehr hübsches,liebenswürdiges und anspruchsloses Mädchen.

Am 28ten April zu meinem Geburtstag wird ihre Hochzeit sein! oder vielmehr Polterabend, die Trauung den 29.

Vor allem aber, nun noch einmal den innigsten Dank für das kostbare - und mir - da es aus Ihrer Hand kommt, noch teuerere Geschenk - Ihre Werke: - Bald nach dem neuen Jahre bekam ich die Sendung! Von Florenz höre ich, daß die Gräfin Moltke sich jetzt dort gefällt und Paris etwas vergessen hat und im Mai nach Baden mit Sigwald Dahl reist,um eine Wasserkur zu versuchen, der Graf aber früher nach Glorup zurückgeht! - .

Oskar von Redwitz,der ein fanatischer Anhänger seines katholischen Glaubens ist, hat eine Verteidigung-Hirtenbrief genannt - des Bischofs von Baden geschrieben haben soll, kann leider sein Lieblingskind &Sieglinde' nicht auf die Bühne bringen, eben wegen seiner zu frommen Tendenz! Ich erhielt kürzlich einen Brief von ihm und die Zusendung dieses dramatischen Gedichtes, was sehr viel Schönes und Großes enthält.

Auch mit Jenny Goldschmidt verbrachte ich einen Abend. Sie sagte mir, sie hätte ihre Reise nach England aufgegeben, auch wegen ihres noch zu kleinen Sohnes - wolle nach Berlin und Wien und hätte eigentlich keine andere Zukunft mehr als den Besitz des Kindes und Mannes - und einer glücklichen und ruhigen Häuslichkeit. Sie hat enge Schranken um sich gezogen, singt nie außer ihrem Hause und vermeidet alle Gesellschaften! - Nur für den Frauenverein hat sie sich bereden lassen, morgen im Konzert zu singen und Goldschmidt wird spielen! -

Fortsetzung dieses Briefes am 18. Februar

So lange sind diese Zeilen liegen geblieben. Unter der Zeit hat Jenny Goldschmidt 3 Konzerte für die Armen gegeben und damit den Eintritt wieder in das öffentliche und Künstlerleben. Ihre Stimme hat sich sehr wieder erholt - Ihre Kunst ist unerreichbar und hat man sie gefeiert, genügt keine Andere mehr. Zuerst geht Sie nach Berlin und Wien! -

Davison ist eingetroffen und Emil Devrient geht fort, zwar fürs Erste auf 6 Monate Urlaub, doch da er Charakterrollen einstudiert als Lear, Richard der 2te pp. dadurch das Publikum zu beweisen, daß er auch Künstler in diesem Fach ist - und Davison hier unnötig,so fürchtet man, ihn zu verlieren.

Er ist oft in Soireen bei uns diesen Winter, ebenso Gutzkow und Auerbach. Ersterer schreibt an einem Lustspiel. Der 2te reist nach Tirol, um neuen Stoff zu sammeln!-

Deckens grüßen Sie innigst! Erfreuen Sie bald mit einem Brief Ihre treuergebene

Fr.Serre

[Randnotizen:] Ach, wie freut mich Ihre Sendung Ihrer Werke !Tausend Dank!

Man fragt so viel nach Ihnen und ver langt Sie wieder hier zu haben. Wann kommen Sie? Der arme Dahl ist sehr elend und hütet meist das Bette und bangt sich nach seinem Sigwald.

Hier oder in Maxen, bitte steigen Sie bei uns ab und lassen sich unsre Räume zu wohnen gefallen.

Tekst fra: Se tilknyttet bibliografipost

Dresden. Am 4. J.[anuar] [18]54.

Theurer, verehrter Herr Andersen

Den innigen Antheil kennend, welchen Sie an Allem nehmen, was uns betrifft erlaube ich mir, Ihnen unsres Pflegesohnes Verlobung anzuzeigen. Es ist die Tochter des frühren commandirenden Generals unsrer Armee [tilføjet i margenen: Clementine von Cerrini di Monte-Vacchio] – vor 10 Jahren, waren sie schon im Stillen verlobt, aber Beide zu jung und Carls Verhältniße noch nicht geordnet, um heirathen zu können. Treue Liebe und Ausdauer führt aber doch zum Ziele, und meine künftige Tochter ist ein sehr hübsches, liebenswürdiges, und anspruchloses Mädchen. Am 28st. April zu meinem Geb.tag wird ihre Hochzeit sein! - oder viel mehr Polterabend, die Trauung den 29../.

Vor allem aber, nun, noch einmal den innigsten Dank, für das kostbare – und mir, da es aus Ihrer Hand kommt, noch theuereren Geschenk – Ihre Werke!: – Bald nach dem neuen Jahre bekam ich die Sendung!

Von Florenz höre ich, daß die Gräfin M. sich jetzt dort gefällt, und Paris etwas vergessen hat, und im May nach Baden mit Sigwald Dahl reiset, um eine Wassercur zu versuchen der Graf aber früher nach Glorup zurück geht! – .

Oskar v. Redwitz der ein fanatischer Anhänger seines chatholischen Glaubens ist, hat eine Vertheitigung –[tilføjet i margenen: Hirtenbrief genannt] – des Bischoffs von Baden geschrieben [tilføjet i margenen:haben soll], kann leider sein Lieblingskind Sieglinde, nicht auf die Bühne bringen, eben wegen seiner zu frommen ./. Tendenz! Ich erhielt kürzlich einen Brief von ihm, und die Zusendung dieses dramatischen Gedichtes, was sehr viel Schönes und Großes enthält.

Auch mit Jenny Goldschmidt verbrachte ich einen Abend, sie sagte mir, sie hätte ihre Reise nach England aufgeben, auch wegen ihres noch zu kleinen Sohn – wolle nach Berlin und Wien und hätte, eigentl. keine andere Zukunft mehr, als den Besitz des Kindes, und Mann – und einer glücklichen und ruhigen Häuslichkeit. Sie hat enge Schranken um sich gezogen, singt nie außer ihrem Hause und vermeidet alle Gesellschaften! – Nur für den FrauenVerein hat sie sich bereden lassen, Morgen ein Concert zu singen, und Goldschmidt wird spielen! –

[fortsættelse:] Am 18. Fbr.

So lange sind diese Zeilen liegen geblieben. Unter der Zeit hat Jenny Goldschmidt 3 Concerte für die Armen gegeben, und damit den Eintritt wieder in das öffentliche und Künstlerleben. Ihre Stimme hat sich sehr wieder erhohlt – ihre Kunst ist unerreichbar, und hat man sie gehört, genügt Keine Andere mehr, Zuerst geht Sie nach Berlin und Wien! –

Davison ist eingetroffen, und Emil Devrient geht fort, zwar fürs Erste auf 6 Monate Urlaub, doch da er Carakther Rollen einstudirt, als Lear, Richard der 2t pp, um dadurch dem Publikum zu beweisen, daß er auch Künstler in diesem Fache ist – und Davison hier unnöthig – so fürchtet man, ihn zu verlieren. Er ist oft in Soireen b[e]y uns diesen Winter, eben so Gutzkow und Auerbach. Ersterer schreibt an einem Lustspiel. Der 2te reiset nach Tyrol, um neuen Stoff zu sammeln!- Dekens grüßen Sie innigst! Erfreuen Sie bald mit einem Brief

Ihre treuergebene

Fr. Serre

[i margenen p. 1:] Ach, wie freut mich Ihre Sendung Ihrer Werke! Tausend Dank!

[i margenen p. 3:] Man fragt so viel nach Ihnen, und verlangt Sie wieder hier zu haben. Wann kommen Sie?

[tilføjet f.n. p.3:] Der arme Dahl ist sehr elend ja hüthet meist das Bette und bangt sich nach seinem Sigwald.

[i margenen p. 4:] Hier oder in Maxen, bitte steigen Sie b[e]y uns ab und lassen sich unsre Räume zu wohnen gefallen.

Tekst fra: Niels Oxenvad (KB affoto 5120-23)