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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 2. november 1855

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Dato: 2. november 1855
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Dresden am 2.November 1855

Theurer, innigverehrter Freund!

Lange, lange habe ich nichts von Ihnen gehört, keine liebe Zeile Ihrer Hand gesehen und ich habe eine unbezwingliche Sehnsucht danach. Gewiß haben Sie meinen Brief aus Kösen vorgefunden, den ich in das Blaue hinein schrieb, denn ich wußte damals durchaus nichts, wo Sie sich aufhalten konnten. Darum schrieb ich ihn unter der Adresse des Staatsrats von Collin.

Ich war ganz trostlos, als ich hörte, Sie wären so lange mir so nahe gewesen ohne es zu wissen - und reiste selbst einen Tag nach Weimar, um nur Ihnen hauptsächlich zu hören. Da erfuhr ich, daß die Nachrichten der Cholera, die sich in Dresden im Hospital gezeigt, Sie erschreckt - glücklicherweise war sie hier nicht epidemisch und rührten die wenigen Fälle nur von Diätfehlern her - und Sie hätten ruhig uns Alle so unaussprechlich glücklich machen können - den Winter hier zuzubringen!

Mein Tag in Weimar war reich! Ich sah Steinhäusers Denkmal Goethes, nach Bettina dessen Schönes und Mangelhafte sich nur zu deutlich herausstellt - fand Fräulein von Pogwisch und ihren Mann, den jungen Goethe - die Seidler, Herders und andere liebe Freunde und vor allem Graf Sauermas und seine Frau geb. Spohr, die berühmte, anmutige Harfenistin - die mir folgten und einige Tage in Kösen bei mir blieben. Sie kamen auch nach Maxen den 1ten Oktober und blieben den ganzen Monat bei uns bei Einsamkeit und Herbstwetter. Da habe ich manche Stunde ihren himm1ichen Tönen gelauscht, denn die Harfe, das Ur-Instrument, so gespielt - ist bezaubernd. Serre beredete den Grafen, seiner Frau zu erlauben, zum Besten der Schillerstiftung in einem Konzert mitzuwirken, was dann gestern vor sich ging und sie enthusiastisch aufgenommen wurde. So haben wir immer das Glück, liebe, herrliche und interessante Menschen bei uns sehen und genießen zu können und ich danke Gott dafür.

Gräfin Moltke hat hier den jungen Carus konsultiert und gebraucht eine Molkenkur, wohnt in der Stadt Ber1in und war fast krank, weil der Graf ihr aus Schweden keine Nachricht gegeben. Sie ließ telegrafieren hin und her. Constanze ist oft bei ihr, wenngleich sie ihr sehr ungünstig gestimmt ist. Sigwald konnte mir nicht genug von dem fürstlichen Luxus in Glorup sagen, der fast das Gemütliche zerstört - und wie in so Kurzen dort Alles umgestaltet.

Auerbachs Trauerspiel ist das Erste, was von den hiesigen Literaten hier zur Aufführung kommt.Gutzkow ist eben von einer größeren Reise zurück,wo sein älteres Stück "Herz und Welt" in Stuttgart großen Success hat! Wenn nicht bald &Der König träumt' auf die hiesige Bühne käme,mir scheint es für hier das Passendste,aber noch ist es gänzlich unbekannt.

Wann schicken Sie es hierher? Lüttichau hat für 6 Vorstellungen die italienische Truppe engagiert und Madam Ristori wird Montag mit Maria Stuart den Anfang machen - sie ist größer als Alfierischen Stücken!

Ich möchte wissen, was Sie wohl literarisch schaffen? Immer reiften den Winter Ihre Geistesblüten - und Sie schütten im Frühjahr das Füllhorn reicher herrlicher Früchte aus! -

Wie sehnt sich das Publikum wieder nach einem größeren Roman - es erscheint so wenig Vorzügliches in diesem Fach. Therese Stranz ist in Halle engagiert und Heinrich Riccius gibt den l5. November unter seinem eigenen Namen mit voller Kapelle sein 1stes großes Konzert ! -

Denken Sie, ich habe ein vortreffliches Porträt von Orstedt, Ohlenschläger und Pfonghammer aus Kiel, vom Maler Lietz in Paris nach der Natur gezeichnet, erhalten - in Kreide mit etwas Farbe, und ihre eigenhändigen Unterschriften darunter! - Ich habe sie einstweilen für eine Schuld (unter uns gesagt) angenommen. Könnte ich sie vorteilhaft verkaufen, so gönnte ich wohl dem Künstler den Nutzen! Noch hatte er mir nicht den Preis bestimmt, und ich glaube an 5 Louisdor.

Papa Dahl klagt sehr, und Sigwald malt mit Gräfin Moltke. Wir verlieren sehr ungern den österreichischen Gesandten, den Grafen Kuffstein, der nach Madrid versetzt worden. Er hatte Interesse für alles Schöne,Wissenschaften,Künste und Musik und ihre Repräsentanten! Leider zeigt unser König wenig Teilnahme dafür und öffnet ihnen nicht die Pforte! -

Mein Mann, Margaret, Minna, Frau von Berge - Alle, die Sie kennen und verehren - grüßen!

Es hatte sich das Gerücht verbreitet, Sie wären auf einem Schiffe gewesen, die zusammengestoßen und verunglückt damals auf der Ostsee! Gott lob - wir erfuhren bald, Sie wären gerettet!

Rosalie von Schiemann und die Henselt, Julie Burrow fragten brieflich nach Ihnen mit liebevoller Teilnahme.

Behüte Sie, theurer, verehrter, geliebter Freund der Alltätige! Gebe Ihnen Gesundheit und Mut und Zuversicht, damit die unbegründete Angst wegen Ihren Gesundheitszustand nicht noch schädlich auf Sie einwirkt - und erhalte uns Ihre Freundschaft! -

F.Serre

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