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Brev fra H.C. Andersen til Carl Alexander 17. maj 1856

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Dato: 17. maj 1856
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

120 Andersen an Carl Alexander

Basnæs auf Seeland d. 17 Mai 1856.

Mein hoher, edler Großherzog! Diesen ganzen langen Winter bin ich körperlich leidend gewesen, schwer im Sinn, selbst mein Roman hat geruht, jetzt aber mit den Frühlings Luften, jetzt da ich schon auf dem Lande bin, wo der Wald eben grünt, fühle ich mich wohler und heiterer im Gemüht und in Gedanken; die Quelle der Poesie, welche diesen Winter wie zuruckgetreten war, sprudelt wieder frisch und gesund hervor, und in der letzten Woche habe ich mehrere Bogen geschrieben; die ganze Blume der Dichtung, welche vorher wie verschloßen in meiner Seele ruhte, ist jetzt ganz entfaltet; aber eben in dieser Ausströmung des Herzens werde ich so innig und lebhaft getrieben,Ihnen, mein theurer geliebter Großherzog zu schreiben. Auch Eur: Konigl: Hoheit sind, wie mich die Koniginn-Witwe neulich gesagt hat, krank gewesen, aber wieder glücklich hergestellt, und fliegen vielleicht bald nach einem schönen Badeort, aber wo dürfen meine Gedanken Sie suchen? -

/ In der Welt müßen Viele seyn die Sie lieben, aber das darf ich sagen Niemand kann mit treueren Herzen und fester an Ihnen hängen, inniger jedes freundliche Worte erinnern, jeden herzensschönen Zug von Ihnen, als ich; und doch schreibe ich seltener jetzt als früher, ungeachtet, K. Hoheit, Sie mir gesagt haben und ich im Herzen weiß, daß Sie meine Zeilen mit gewohnter Güte und Theilnahme empfangen und lesen werden; die Ursache meines Schweigens liegt darinn, was ich vielleicht einmahl früher gesagt habe, daß ich oft Menschen die ich lieb habe, so innig mit den Gedanken umschlinge, daß ich vergeße daß ich nur mit Gedanken und nicht mit sichtbaren Worten mit ihnen spreche, und ich stehe fast wie ein Undankbarer da.

E. K. Hoheit werden mich durch die Zutrauen und die Innigkeit womit ich mich Ihnen nähe, verstehen.

Sehr froh bin ich, daß Hartmanns schöne Musik zu: "Klein Karin" in Weimar zum ersten mahl gegeben ist; Liszt hat einen warmen, höchst zufriedenen Brief über diese Tondichtung geschrieben, diese soll jetzt auch in Manheim gegeben werden, man hat die Partitur verschrieben und da diese Musik mehr und mehr antspricht je öfterer man sie hört, hoffe ich wohl, daß sie sich almählich Bahn bricht; der Volkskarachter der Melodie, welchen Hartmann so vortrefflich angedeutet, giebt dem Ganzen seine Bedeutung. / Unsere Kopenhagener Ausstellung hat in diesem Frühling schöne Sachen gebracht. Die Frau Jerichau hat ein Bild gegeben: "Haus Andacht", und die Portraits der Gebrüder Grim(m), genial aufgefaßt. Exner, desen Bild auf der pariser Ausstellung Aufsehen gemacht hat, gab uns eine ächt dänische Bauern-Hochzeit voll Wahrheit und Laune; zwischen Genrebilder treht hervor "ein Besuch der Mormonen auf dem Lande." Bissen hat Øehlenschlägers Statue für einen unserer öffentlichen Plätze vollendet; Jerichau arbeidet an einen David, der auserhalb der Frauenkirke, einem Bilde Moses von Bissen gegenüber, stehen soll.

Ich bin, wie gesagt, schon vierzehn Tage auf dem Lande, auf einem schönen Gut Basnæs in die Nähe von Skjelskjör auf Seeland, am großen Belt, dessen Wellen unter meinen Fenstern rollen; es ist ein neues Gebaude, aber im alten Stil, mit Thürmen und Gräben umgeben, möchlicherweise mache ich von hier aus einen Sprung nach Deutschland, aber den größten Theil dieses Sommers werde ich in Dänemark den Roman vollenden. Ich habe diesem Buch noch keinen Nahmen gegeben, aber wenn ich einen solchen aussprechen sollte, der Ihnen, K. Hoheit, den Inhalt andeuten könnte, mußte ich es nennen: "Der neue Aladdin": Der Held steigt in die Tiefe der Wissenschaft und holt die Lampe der Religion, welche die selbe ist, die aus den Blättern der Bibel strahlt; das Reich jener Welt und das Reich dieser Welt stehen einander nicht feindlich gegenüber, sondern sind freundliche Nachbarreiche, kein Streit kommt zwischen ihnen; / Die Naturwissenschaft reiszt die Wurzeln des Aberglaubens aus dem Acker der Religion! ich freue mich, wenn das Buch beendiget ist, zu hören, daß Sie es mit Geist und Herz freundlich aufgenommen haben. Gott behütte, erfreue und segne E: Konigl: Hoheit und die theuren Ihrigen. K. Hoheits treu ergebener H.C. Andersen

Tekst fra: Ivy York Möller-Christensen