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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 16. september 1858

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Dato: 16. september 1858
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Am 16. September Dresden

Erschrecken Sie nur nicht, theurer, geliebter Herr Professor, schon wieder einen Brief und schnelle Antwort zu erhalten­ aber mir ist es Bedürfnis, mit Ihnen zu plaudern - und ich ver­lange ja keine schnelle Antwort! - Sie sind bei der liebenswürdigen Frau v.Scavenius - Wird man sich im Leben noch begeg­nen? Die nun beinahe 2 Ellen langen Grafensteiner Schößlinge erinnern mich täglich an Ihre Güte. Jetzt soll ich schon wie­der von denselben unseren Bekannten abgeben - und darf sie doch nicht stören,bis die rotbäckigen Apfel darauf glänzen werden! ­Doktor Kühne hat mir einen so schönen Aufsatz über Sie und Ihre letzten Märchen zum Durchlesen geschickt - daß ich ihn nur nicht Ihnen zusende, weil Sie denselben gedruckt in einer Nummer des Morgenblattes von ihm gewiß bald erhalten. Auch war einen Abend zum Tee Wolfson hier, welcher sich auch so aner­kennend über Ihre letzten Arbeiten aussprach, daß sich meine Seele davon erquickte. Auch er wird in einem literarischen Blatte darüber schreiben und es Ihnen bald zuschicken.

Rienzi ist 8 Tage nach Ihrer Abreise erst gegeben worden, aber jeder, der ihn hörte,kommt totmüde zu Hause an und sagt, der musikalische Lärm darin wäre um taub zu werden und will ihn nicht zum 2ten Male hören! Doch ist er wiederholt auf dem Repertoire und füllt das Haus immer! - Vor kurzem erhielt ich einen Boten, der mich zur Stadt rief. Frau von Zöllner hatte einen Schlaganfall gehabt, welcher ihr das Gesicht verzerrte und die Sprache benahm. Ich war sehr ergriffen darüber,denn ich verliere an ihr eine treue Freundin und geistige Anre­gung. - und jetzt geht es wieder besser und sie kann stunden­lang das Bette verlassen! Kommt kein neuer Anfall, so kommt sie glücklich durch die Gefahr!

­Heute kam die telegraphische Depeche, daß unsere Prinzessin Margaret, Gemahlin des Erzherzogs, welche vor kurzem Pill­nitz war, und eben vom Besuch bei ihrer Schwester, der Groß­herzogin von Torkau war, auf der Reise an einem Nervenfieber­anfall gestorben ist! Sie war die Lieblingstochter unsrer Königin.

Bald nach Ihrer Abreise kam die Henselt und blieb 14 Tage, und öfter fuhr ich mit ihr zur Stadt .Nun sind Herr und Frau von Villers geb. Germer, aus Petersburg bei mir und nur auf Tage kann ich jetzt Maxen genießen!

Frau von Villers war in Lichtenstein(?) beim Herzog Bernhard, wo sie früher Hofdame war, dann 8 Tage in Wilhelmsthal bei der Großherzogin, und bringt mir einen Gruß vom Großherzog und er würde mich in den nächsten Tagen in Maxen überraschen.Er woll­te ganz incognito durch Dresden nach Warschau reisen und ging darum absichtlich nicht über Breslau. Sie können denken, daß mich diese.. [Brief teil fehlt]

Wie innig habe ich teilgenommen über den Verlust Ihrer Freun­din mit der Aurtrin! (?) Herrn v. Lingerkes Frau hat ihren Bru­der, Schwägerin 4 Kinder dabei verloren und nur ein schwächli­cher verwachsener Knabe des 2ten Jahr ist gerettet worden. Sie kennen vielleicht diese Familie,die seit Jahren in Dres­den lebte! - Täglich zittere ich für das Leben der armen Frau von Zöllner! Ach, das Leben wird ärmer und leerer, je älter man wird - und - hie und da scheidet ein treues Herz, was man geliebt und was uns liebte. Darum umfaßt man mit doppel ter Anhänglich­keit die uns noch Gebliebenen!

Den 27. ist Graf Hoffermarks Hochzeit. Minna ist jetzt sehr glücklich. Ich habe ihre älteste Nichte aus Flatow kommen las­sen, ihr zur Gesellschaft für den Winter, ein liebes harmloses Kind.

Diesen Winter bringt die Schröder-Devrient hier zu. Sie wohnt in dem Quartier der Goethes! Sie singt in Konzerten zu guten Stiftungen und in Privatgesellschaften. Auch bei uns erbot sie sich dazu, ihre Stimme soll schöner sein wie je!

Sigwald grüßt sehr! Sollten Sie Carl Andersen sehen, so sagen Sie ihm viel Herzliches und ich hätte mit Freude seinen langen Brief empfangen. Auerbach läßt fragen, ob sein Barfüßele ins Dänische schon übersetzt ist? Ein langer Brief von Clara Heinke aus Berlin hat mir von allen ihren Erlebnissen mitge­teilt! Aber mein Brief erreicht kein Ende, es ist mir so eine Freude, mit Ihnen zu plaudern! - Behüte Sie Gott! - Serre und das ganze Maxner Haus will Ihnen empfohlen sein.

In Treue Ihre Fr. Serre

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­... Serre ist aufgeregt-zumal da ich wegen der kranken Zöllner und Wolf von Goethes Geburtstag in der Stadt sein muß!

Die Heinke hat mir nicht geschrieben, alle ihre Bekannte fanden sie ermüdet, traurig und niedergeschlagen! ! ! - Frau von Berge ist mit Herrmann nach Pommern, nach Stolpe zu ihrem Bruder, den Oberst gereist, und Frau von Hann und ihre Mutter waren in Maxen 8 Tage! - DaB Drewsen nicht schreibt, wundert mich nicht. Wir kennen, wie ungern er es tut, schon um so mehr wegen der deutschen Sprache. Was könnte er auch schreiben als einer leeren Form und schöne Redensarten! Wir haben ihn Alle wahrhaft lieb gewon­nen, mir selbst schien er wie ein lieber Sohn, dem man seine Feh­ler gern nachsieht, wozu die Schreibantipathie, die eigentlich nur Bequemlichkeit zum Grunde hat, wohl gehört! - Bei allen wahrhaften Attachement vergißt man unwillkürlich diese Scheu und die Bequemlichkeit und setzt sich hin und plaudert und denkt nicht daran, ob man spricht oder ob man schreibt, ob die Worte gut gestellt sind oder schlecht, ob Papier und Feder etwas taug­ten und erquickt sich an der Unterhaltung. So geht es mir mit Ihrem geliebten teuren Freund!

Grüße von Maxen heute v.Fr.

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