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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 9. oktober 1858

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Dato: 9. oktober 1858
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Maxen den 9.0ktober 1858

Mein verehrter Freund!

Zuerst soll ich Ihnen im Auftrage meines Mannes sagen, daß er noch immer keine Antwort und Bestätigung der Regierung hat und sich im günstigen Fall seine Lotterieangelegen­heit sehr verspätet.Er hat darum manche Anderungen getroffen und bittet Sie daher,noch nicht sich mit Ihrem gütigen Ver­sprechen zu beschäftigen. Er wird eine andere Apotheose wählen - keine Preisaufgaben aus­schreiben und die literarischen Gewinne verringern! - Sobald Alles fest gestaltet - schreibe ich Ihnen sogleich! - Sie können denken,in welcher Sorge er lebt und Qual. Der Großherzog von Weimar ließ telegrafieren Herrn von Schober und ist die Nacht durch Dresden gereist. Mein Mann war mit Schober auf dem Bahnhof,wo sie 3/4 Stunde gewartet. Da die Trauer ein­getroffen, und die königliche Familie in Weesenstein - konnte er nicht incognito nach Maxen kommen ohne dort zu kondolieren! Doch hat er die freundlichsten Zusagen gemacht!

­Ich habe jetzt den 1. Teil von Gutzkows neuen Roman gelesen, den Zauberer von Rom.Er führt darin die Personen auf, die in den nächsten 8 Bänden handeln werden.Es ist sehr viel Hand­lung darin - Satire auch Humbug - kleine Fürsten und Fürstentü­mer - Sie kennen seine Art. Er sagt in der Vorrede - er schreibt für das Volk und seine Zeit - und weiß, wie viele feindli­che Urteile und Gesinnungen er sich mit seinem Buche zuzie­hen wird.

Wie ich höre,ist Graf Luckner,welcher hier Haus und Güter hat, und verheiratet mit einer Gräfin Reichenbach war - Gesandter in Paris geworden, eine Stelle, die Graf Moltke seit lange erhoffte. Das wird sie um so eher bestimmen, den Winter in Dresden zu bleiben.Einstweilen hat sie mir Margaret in Pension gegeben, welche eine Winterwohnung suchen soll. Mir ist jetzt, als wäre sie gar nicht von mir fortgewesen!­ Was mögen Sie jetzt schaffen und arbeiten! Was mjch sehr be­glückt, ist die Freundschaft und das Vertrauen, welche mir Carus beweist - Er lud mich neulich allein zu sich ein, des Nachmittags und hat mir so interessante Mitteilung von sei­nen letzten Arbeiten und Ideen zu Neuerm gemacht, daß meine Gedanken lange und tief damit beschäftigt waren. Es ist aber auch meine einzige geistige Anregung jetzt, und ich will die Winterabende oft mit ihm sein, da ja auch die Seinen so lieb sind! ­ Drewsen hat mir einen sehr lieben Brief geschrieben, den ich hier beantworte. Also Graf Hoffmanneck, Leranbey (?) wird mit Miss Buchtow,eine Bekanntschaft vom 28 sten July-Fräulein Bölte in Paris, ebenso Gräfin Moltke und Sigwald, bis zum 20 sten dieses.

Die Goethe reist den 20 sten nach Venedig von Wien aus.

Von Fr.Heinke kein Wort

Den treuesten Gruß Ihre Fr.

[Randnotiz:] Das ganze Maxener Haus ruft Inir Grüße für Sie und Herrn Drewsen zu. Notiz zu Gutzkows Buch: Dies Buch soll zur Lösung des Zwiespalts derselben beitragen.

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. . . Auch in Coburg war Serre und zufällig mit Herrn von Lüttichau hat er Diana von Solange, die neue Oper v.om Herzog gesehen. Einstimmig soll sie viel Schönes enthalten und sein be­stes Werk sein. Sie wird hier einstudiert.Auch Pepita ist an­gekommen. Das Stück, das Testament des Kurfürsten von Puttlitz, gefällt allgemein!

­Endlich habe ich den 2ten Teil von Gutzkows Buch gelesen. Eine wahre Arbeit - es ist, als hätte ich danach einen Bienen­schwarm im Kopfe. So verwirren sich Personen, Situationen, Be­schreibungen. Die Heldin Secinde ist eine Coquette, interessan­te Abenteuerin. Auf jeden Fall eignet es sich mehr für Weimar ­als Damenlektüre. Gutzkow selbst lebt wie ein Einsiedler. Sigwald leidet fortwährend an den Augen. Er ist schrecklich ängstlich und traurig! Wie geht es dem jungen Drewsen, hat er denn die deutschen Damen ganz vergessen?

Sehen Sie Herrn Carl Andersen, den Bräutigam, grüßen Sie Beide herzlichst. Was schreiben Sie jetzt, ich möchte ein wenig über Ihre Schul­ter sehen, wenn Sie am Schreibtisch sitzen!­

Für heute noch den herzlichsten Gruß von meinem Manne, Minna, die eben in der Stadt ist und Sigwald. Ist denn noch nicht entschieden, ob Graf Moltke Gesandter in Paris wird? Hier nennt man Graf Luckner, der schon sein Haus verkauft hat. Getreulich Ihre Fr.Serre

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