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Brev fra H.C. Andersen til Carl Alexander 15. juni 1859

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Dato: 15. juni 1859
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

149 Andersen an Carl Alexander

Basnæs bei Skjelskjör 15 Juni 1859.

Mein edler, theurer Großherzog!

Euer Königliche Hoheit haben lange nicht einen Ausdruck meiner immer währenden treuen Anhänglichkeit an Sie erhalten; ich sehne mich danach mich auszusprechen und mich wieder in Ihre gnädige, freundliche Erinnerung zu bringen. Neue Mährchen, einen ganzen Strauß, habe ich schon diesen Frühling meinen Landsleuten gebracht und viel Freude und Erkennung erworben. Bis in der letzten Zeit, mehrere Monate, bin ich von La grippe sehr stark angegriffen gewesen, aber jetzt ist der Sommer da, mit Kuckuk und Nachtigal und ich fliege wieder in die schöne ewig junge Welt hinaus.

Der älteste der dänischen Dichter, Ingemann, feierte den 28 Mai seinen Geburtstag; er wohnt in schöner Waldeinsamkeit am See bei Sorö; seine Romane sind ganz in das Volk, ja in die Bauern selbst hinein gegangen, durch Ingemanns Romane kenne sie die alte Zeit in Dänemark. Es war sein 70jähriger Geburtstag und zu diesem hatten Kinder und junge Mädchen eine Summe von 3000 Thalern eingesammelt, für welches Geld ein großes goldenes Horn, künstlerisch / mit allen Hauptpersonen seiner Werke ausgeschmückt, gekauft und ihm überreicht ward. Die Bauern aus der Gemeinde, wo des alten Dichters Vater einst als Prediker lebte, hatten eine schöne Porcelan-Wase gekauft und diese trug die Namen Ingemanns und seines Vaters. Auf der Eisenbahn fuhren viele Menschen aus Kopenhagen hinaus nach Sorö, dort war Gesang, Festreden und Fackelzug; ich konnte nicht zum Fest dort sein, aber für mich auch wurde auch dieser Tag festlich:, der König ist mir sehr gnädig und gut, er hatte mich den nehmlichen Tag nach seinem Lustschloß Friederichsburg geruffen, es liegt 6 Meilen nordwestlich von Kopenhagen; dort, nach der Tafel, überreichte der König mir einen schönen Ring mit seinem Namenszug in Brillanten, den ich tragen sollte; nachher fuhren wir in einem großen Boot auf den waldumkränzten See und dort las ich eines meiner neuesten Mährchen vor: "Was der Wind erzählt von Waldemar Daae und seinen Töchtern"; später, nach einem Spaziergang im Garten, las ich mehrere von den neuen "Historien", und der König war so herzensgut, so Lieb, wie sein Vater es war, und wie Sie es sind, mein hoher, innigtheurer Großherzog!

Den Tag darauf ging ich wieder nach Kopenhagen und dann den ersten Juni nach Sorö, wo / der alte Dichter Ingemann und seine Frau, wie Philemon und Baucis leben; die beiden Alten waren, durch das Fest, wie verjüngt. Sie sehen, mein hoher theurer Großherzog, daß meine Sommerreise unter glücklichen Auspicien angefangen ist. Jetzt bin ich auf Basnæs am großen Belt und denke künftigen Montag eine interessante, weniger bekante Reise anzutreten: ich wil die Nordsee besuchen, die ganze Westküste Jyllands bis Skagen hinauf, dem öden Wüstenland mit Sandhügeln einen Besuch machen, dort poetische Schätze oder Stimmungen für solche zu finden.

Ich gehe erst nach Silkeborg, den reichen Waldland mit seinen Binnenseen, von dort nach der Nordsee, und später mit Dampfschif durch den Limfjord bis Aalborg. Ich kan aber nicht dort in der großen Einsamkeit herumziehen ohne daß ich weiß, Sie mein hoher, edler Herr, eine Vorstellung haben, wo ich diesen Sommer herumflattere; durch die Zeitungen weiß ich immer, so ziehmlich, wo Sie edler Fürst auf Reisen oder in Weimarischen verweilen.

Wie oft durchlebe ich in der Erinnerung die ersten Stunden wo ich Euer Königlichen Hoheit sah und kennen lernte: es war Euer Koniglicher Hoheits Geburtstag, als ich Sie zum ersten mal sahe, im großherzoglichen Theater in Weimar, von Volke begrüßt war es; dann zum ersten mal sprach ich mit Ihnen, edler Herr, / in Ettersburg; der Abend war festlich dort, mit Musik, mat de Cocagne für die Bauern; noch habe ich einen blühenden Lindenzweig, welchen Euer Königliche Hoheit mir dort überreichten, viele schönen Bilder voll von Gnade und Güte strahlen in meinen Gedanken wieder und wieder, und dann fliegt immer mein Herz nach dem lieben Weimar.

Gott segne Sie mein hoher theurer Großherzog und Ihre fürstliches Haus! Euer Konigliche Hoheit

treu ergebener

H.C. Andersen

Tekst fra: Ivy York Möller-Christensen