H.C. Andersen-centret ved Syddansk Universitet. Hjemmesiden er en base for forskning, tekster og information om og af H.C. Andersen. Man kan finde materialer om (nøgleordene) eventyr, forfatter, litteratur, børnelitteratur, børnebøger, undervisning, studie, Victor Borge, HC Andersen, H. C. Andersen, liv, værk, tidstavle og biografi, citater, drømme, FAQ, oversættelse, bibliografi, anmeldelser, quiz, børnetegninger, 2005 og manuskripter
The Hans Christian Andersen Center

Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 21. juli 1860

Hop forbi menu og nyheder

Dato: 21. juli 1860
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Dresden den 21. Juli 1860

Theurer,verehrter Freund!

Clara Heinke gab mir Ihren interessanten Brief zu lesen aus Brunnen,in welchem Sie ihr die Beschreibung des Festes oder der Comedie der Leidensgeschichte Christus mitgeteilt - Mir war dies Alles neu und ich kann mir denken, welchen Eindruck es auf Ihr poetisches Gemüt gemacht hat. Schon freue ich mich, die Schilderung gedruckt zu lesen.

Sie zürnen mir - können zweifeln, daß ein Gedanke unverändert treu, verehrend und ergeben, weniger warm in mir sein könnte. Ist es der Freund,der mich doch seit Jahren kennt - Andersen - welcher so sprechen kann-Ich hätte es nicht geglaubt ,hätte ich nicht schwarz auf weiß gelesen und weil ein Brief sich verzögert, da habe ich ein vertrauenderes Herz? und lasse mich durch nichts irren, weiß es, klärt sich auf. Ich erhielt Ihren letzten Brief mit dem lieben Rosenblatt von der Wartburg, wo ich Ihnen innig danke und fast kurz vor meiner Abreise.Sie schreiben, Sie würden nur noch einige Tage in München bleiben und gaben mir keine Adresse. Ich beschloß, sie mir erst von Clara zu holen. Diese sagte mir, sie wolle erst eine Antwort von Ihnen erwarten und so verzögerte sich mein Schreiben. Daß ich aber anstatt den 15. Juni, wo ich die Freude hätte haben können, Sie einige Tage zu sehen, schon den 27. Mai abreiste, war die Ursache, daß der Großherzog mir den 29 sten bestimmte zum Empfang auf der Wartburg,weil er später nicht mehr dort sein würde.Da ich mir so manches über die Nationallotterie ihm zu erhellen, erläutern und mitzuteilen habe, mußte ich diese günstige Gelegenheit benutzen. Denken Sie das Schicksal meines Buches! Ihr Verleger hat es nach Dresden geschickt, mein Mann dasselbe Henselt für mich mitgegeben. - Dieser hat mich verfehlt und es wieder Baron Wrangel anvertraut - und so erhielt ich es vor ein paar Tagen. Aber Clara,die mit ihrer Schwester (welche mir weniger symphatisch ist} in Maxen einige Tage war, las mir mehreres daraus vor,den Besuch bei Dickens,Feder und Tintenfaß, Anne Lisbeth, Hofhahn und Wetterhahn! - ich kann nur sagen, mir ist, als sei ich in der Kirche, las ich Ihre Bücher! Frömmiger und gläubiger wird mein Sinn,der Zweifel wird Vertrauen.Auch hierin üben Sie den meisten Bekehrungssinn, und manches Herz führen Sie zu Gott. Mündlich möchte ich über jede einzelne Schönheit mit Ihnen sprechen. Die Geschichte aus den Sanddünen, welche auf Unsterblichkeit und Vergeltung dort oben hinführt, ist ergreifend. Sie verursachte mir eine schlaflose Nacht - Mehrere Bekannte habe ich darin auch wiedergefunden. Aus Tintenfaß und Feder erkannte ich ganz Ihr liebes demutsvolles Gemüt bei den Segnungen Gottes! Wie wunderbar,daß Männer die Mutterliebe so tief ud wahr schildern können! Nur der Titel ist mir nicht recht, denn eben ist ein kleiner Roman,fast mit denselben Titel von Julie Barrow erschienen. Es schildert einen verlorenen Sohn, Vater und Sohn in den Fesseln einer öffentlichen und derselben Person. Welcher Kontrast! -

Gestern Abend war Graf Moltke da mit Leos Braut Frl. Zartmann, Enkelin des reichen Jüdischen Bankier Donner. Ein reizendes Mädchen. Haralds Frau ist eine reizende Erscheinung, aber ein Mädchen durch eine ... der großen Welt bereits gegangen, viel älter als Harald.

Am 15 ten war denn die Eröffnung der Ausstellung der Gewinne der Nationallotterie. Bunte Fahnen aller der beteiligten Länder flatterten vom Perron des alten Galeriegebäudes. - Alle Teile waren geöffnet, Fenster und Wände mit reich besetzten Tafeln gesetzt - Ein Mittelzimmer, wo meist alle Gaben der Fürsten und Prinzessinnen aufgebaut - Möbel - Instrumente, Silber und Porzellan und Glaszeug aller Art - Alles en masse - 100-200 Stück von jeder Sorte - Die Bibliothek ist noch nicht aufgestellt, nur der Raum vorbereitet. Um 9 Uhr führte morgens Serre den König herum, der erstaunt seine Zufriedenheit aussprach, um ½11 ich mit Gräfin Hohenthal, die Königin, Prinzessinnen und Prinz Georg. Es ist selbst der hohen Behörde aufgefallen, daß außer Rietschel und Kummer kein Künstler sich beteiligt, kein Schriftsteller mit die Herrschaften empfing, nicht das hiesige Komitee, das ungeachtet des Großherzogs Befehl sich von der Lotterie losgesagt! - Da dieses Werk einen noch nicht dagewesenen Erfolg hat, ärgern sie sich natürlich - 470 000 Lose sind verkauft, kein Tag vergeht ohne den Absatz von 8-900 Losen! Aber es sind auch für 50 000 Taler Gewinne angekauft. Die Hauptsumme des Unterstüt¬zungsfond,der wenigstens 300 000 Taler stark, wird der hiesige Ratsverwalter und zu den bestimmten Zwecken, aber bekommt nicht das Komi tee hier noch die Zweige derselben, wie anfangs das Verteilen bestimmt, weil sie eben sich nicht beteiligt! Dies ist die Strafe. Im August kommt der Großherzog von Weimar,der sich als Protektor öffentlich erklärt und wird sich das Komitee vorstellen lassen. Unser König hat einen herrlichen Aufsatz fürs Album gegeben. Mit Treue und Schwester liebe

Ihre Fr.Serre

[Randnotiz:] Es sind jetzt 11 Große - 10 Kinder, Serres Verwandte, in Maxen. Es soll der 28 ste ein Familienkongreß werden.

Töplers und alle Fehlende kommen noch, Carls, Henselts, Heines. Wir werden auf Ihr Wohl anstoßen und Sie vermissen. Sigwald geht morgen mit Moltkes nach Glorup, dann nach Christiansburg. Ich hoffe, Sie gehen nicht bei den Unruhen nach Italien und kommen einige Wochen zu uns. Madam Helmke ist nach Spanien gereist. Serre ist in Geschäften nach München.

Tekst fra: Se tilknyttet bibliografipost