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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 21. september 1860

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Dato: 21. september 1860
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Maxen, am 21 st September 1860

Theuerster, verehrter Freund!

Heute erhielt ich Ihren herrlichen Brief aus Genf und sogleich setze ich ihn zu beantworten hin. -Wie immer und immer wir von Ihnen gesprochen, können Sie sich nicht denken! - Clara Heinke besuchte mich nach ihrer Rückkehr von Franzensbad,und wohnte 8 Tage bei mir in der Stadt. Leider war gerade so schlechtes Wetter, daß wir nach Maxen zu fahren aufgeben mußten, obgleich ihr Herz verlangte, die Räume wieder zu betreten, welche Sie bewohnten oder mit ihr betraten. Wo kann nur unser theurer Freund verweilen? Keine hat seit langem eine Nachricht, und weiß nicht einmal wohin Ihren Brief adressieren! Wer von uns die 1.Nachricht hätte, versprach sofort der Anderen zu schreiben und so will ich es heute noch tun! - Wissen Sie, daß Sie mir diese Freude gerade an meinem heutigen Hochzeitstag gemacht? Und so denke ich, bringt es Glück, so zog ich für Sie und Minna ein Los zu der Lotterie und lege es als innige Hochzeitsgabe in diesen Brief.

Denken Sie, 660 000 Lose sind verkauft. Damit will mein Mann abschließen. Vor einigen Tagen schon mußte er 30 000 Lose an Co1lecteure, die natürlich das Geld dafür einschicken zurücksenden. Die Anforderungen sind so groß, daß man schon 2 Thaler für ein Los geboten, Gottes Segen ruht darauf. Unaussprechlich freue ich mich auch der Aussicht, Sie noch im Herbst hier zu haben. Ich kann die Zeit nicht erwarten! Wollen Sie nicht 4 Wochen hier bleiben und den 17ten November die Ziehung hier erwarten? 0 tun Sie es nur! Wollen Sie erst in Maxen sein, so hole ich Sie von Hügeln ab - oder von Leipzig kommend - erwarte ich Sie in der Stadt! - Da Frau von Berge jetzt in der Stadt wohnt, und ich Ihnen mein Schwalbennest oben nicht anbieten kann, so sollten Sie einen Monat uns geben, aber die kleine Stampe gar nie nehmen. Zu Mittag erfreuten Sie uns mit Ihrer Gegenwart - und ungestört könnten Sie das Theater - Carus - und Ihre anderen Freunde genießen, wenn Sie einmal einen längeren Aufenthalt wie sonst in Dresden nähmen. Ich bin natürlich immer da, wo Sie sein wollen - in Maxen oder in Dresden!

Überlegen sie es doch und da Sie Italien aufgeben müssen, wo in diesem Kriegsgewirr das Reisen zu unangenehm ist - so gönnen Sie uns das Glück Sie zu genießen! Immer werden Sie Frau von Goethe, die Moltkes vermissen! - Die Baronesse Stampe mit Eliza und Jeanina kamen von Ems durch Dresden - wo ich 2 Tage mit ihnen herum fuhr und sie bei mir sah. Seitdem haben sie mich immer wärmer ins Herz geschlossen - und selbst der Baron hat mir einen deutsch-dänischen Brief geschrieben, worinnen er mich aufs herzlichste nach Nisoe einladet - doch ohne Sie will ich nicht in Dänemark sein. Sigwald war in Christiania, wo er Gevatter bei seiner Schwester kleinen Sigwald stand. Jetzt ist er in Glorup, begleitet die Gräfin zur Hochzeit, dann nach Wiesbaden und Paris! Entzückend finde ich Ihre Photografie. Stellung, Auffassung unvergleichlich! - Tausen, tausend Dank! Darf ich Ihnen nun auch die Meine, die freilich sehr hart ausgefallen, in die Hände legen? - Daß Ihre Briefe mein kleines Eigenthum, und keine Autografen sein Freund je waren und sein können, bedarf es einer Versicherung? Sie hatten 2 Blättchen aufgeschrieben, Gedanken aus Ihren Gedichten, diese habe ich Würdigen gegeben. Denken Sie, zufällig erfahre ich, daß dies Jahr der Holzschlag gerade unter Ihrem Baum an der Reihe ist. Gott lob, zur rechten Zeit - um ihn seiner grünen Umgebung nicht berauben zu lassen, konnte ich Einhalt tun. Mein Mann ist so unerhört beschäftigt, da Alles auf seinen Schultern ruht, daß ich ganz selbstständig hier regiere, denn er hat nur ein Mal an seinem Geburtstag Maxen besucht. So fahre ich hin und her und bin ich hier - so bleibt Margaret in der Stadt bei ihm. Sein Zimmer ist wie ein Bureau.

Suchen Sie es einzurichten,daß Sie die Ausstellung noch sehen, welche den 10. 0ktober geschlossen wird. Sie ist merkwürdig schön und reich. Serre hat für 80 000 Einkäufe dazu gemacht, über 40 000 Thaler kostet allein nur das Papier zu den Büchern, Kupferstichen, Noten pp. - Da nun von allen Seiten, von allen Notabilitäten von Literaten Beiträge eingegangen, und es unmöglich ist, sie alle aufzunehmen in die Albums, so hat Serre die glückliche Idee gehabt - sie alle als Handschriften in ein großes schön gebundenes Album heften zu lassen - und den Gr.Herzog zu bitten, dasselbe in Schillers Hause zu plazieren.

Obgleich der Gr.Herzog mir verheißen, sicher diesen Monat nach Dresden zu kommen, sich die Ausstellung anzusehen - so erwarten wir ihn bis jetzt vergebens. Vielleicht benutzt er seine Reise zu Jagden nach Rußland und berührt Dresden dabei. - Wie klopft mein Herz - wenn ich denke Sie noch hier und bald zu begrüßen! Professor Vogelstein war auch einige Zeit in Dresden, aber leider gelang es ihm nicht, sein Werk hier in der Kupferstichsammlung zu verkaufen.

Alles, Alles mündlich! Minna ruft mir herzliche Grüße zu, die Eiche wächst und grünt. Wie wahr und treffend der Franzosen Urteil Über Ihre Werke! -

Auf Wiedersehen!

Ihre Fr.

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